Duisburg: Eine Chance für Wanheim
VON HILDEGARD CHUDOBBA UND JESSICA NARLOCH - zuletzt aktualisiert: 15.03.2011Duisburg (RPO). Stadtwerkechef Dr. Hermann Janning verbindet mit einem Ausstieg aus der Atomenergie die Hoffnung, mehr Geld für den Ausbau regenerativer Energieprojekte zu bekommen.
Mehrere hundert Duisburger gingen gestern Abend in der Innenstadt auf die Straße, um für den Atomausstieg zu demonstrieren. Die Linke hatte dazu in mehreren Städten aufgerufen. Die Protestkundgebung in Duisburg fand auf der Königstraße am Lifesaver-Brunnen statt und fand auch Resonanz bei Bürgern, die der Politik der Linken eher nicht zugetan sind. "Hier geht es nicht um parteispezifische Themen, sondern um etwas, vor dem seit den Ereignissen in Japan niemand mehr die Augen verschließen kann", sagte Udo Schenk und forderte wie viele Anwesenden die sofortige Abschaltung der deutschen Atomkraftwerke. "Ich bin auch für die Abschaltung, die Frage ist, inwieweit das möglich ist", gab eine andere Demonstrantin zu bedenken.
Viele Duisburger mischten sich spontan unter die Demonstranten, andere kamen aus persönlichen Gründen, wie die 16-jährige Lydia Ketter. Sie hat Freunde in Japan und hatte bis gestern keinen Kontakt zu ihnen. "Ich kann ihnen von hier aus nicht direkt helfen, aber ich kann meine Meinung sagen und damit eventuell etwas bewegen", sagt sie.
Duisburgs Stadtwerkechef Dr. Hermann Janning forderte gestern in seiner Funktion als Vizepräsident des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU) die Rücknahme der Laufzeitverlängerung für deutsche Atomkraftwerke. Auch wenn die Faktoren, die die Vorgängen in Japan ausgelöst hätten, auf Deutschland nicht übertragbar seien, sei eine auf das Erdbeben fixierte Betrachtung zu kurz gegriffen. Nirgendwo sei Nutzung atomarer Energie so umstritten wie in Deutschland. Notwendig sei die Rückkehr zu einem gesellschaftlichen Konsens in der Energiewirtschaft und die Forcierung des Einstiegs in eine neue Generation der Stromerzeugung. Janning forderte gestern einen deutlich stärkeren Ausbau der regenerativen Energien, eine stärkere Betonung der dezentralen Stromerzeugung und eine umfassende Verstärkung der Instrumente zur Steigerung der Energieeffizienz.
Auf einem guten Weg
Das Duisburger Unternehmen sieht er in diesem Zusammenhang auf einem guten Weg. Der Kauf von 51 Prozent der Steaganteile vor wenigen Wochen war unter anderem vor dem Hintergrund geschehen, dass damit der Einsteig in regenerative Energien verstärkt vorangetrieben werden kann. Die Duisburger Stadtwerke erproben seit dem vorigen Jahr im niederrheinischen Grevenbroich die Energiegewinnung aus Windkraft und testen Energie aus Biomasse. Mit ihren Kraft-Wärme-Kopplungs-Verfahren setzen sie in ihren eigenen Kraftwerken (in Wanheim und in Hochfeld) gleichfalls schon seit vielen Jahren Akzente bei der Stromerzeugung abseits von Atomkraft. Und auch im Bereich Photovoltaik ist das Duisburger Versorgungsunternehmen engagiert. "Wir fühlen uns bestätigt", konstatierte gestern Dr. Hermann Janning. Noch im vergangenen Jahr habe er als Stadtwerkechef und als VKU-Repräsentant vehement gegen die Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken gestritten. Janning befürchtete damals eine Schwächung der kommunalen Aktivitäten.
Mit Freude nahm er die Ankündigung von Bundeskanzlerin Angela Merkel über ein dreimonatiges Moratorium zur Kenntnis. Die Einsetzung der Expertenrunde sei für die kommunalen Entsorger darum eine gute Botschaft, weil sie mit einer verbesserten Förderung der Aktivitäten verbunden sein könne, die die Stadtwerke in Richtung erneuerbaren Energien unternehmen. "Ich habe die große Hoffnung, dass wir dazu als VKU eingeladen werden. Das hoffe ich sehr."
Janning hatte mehrfach vor der Gefahr gewarnt, dass die Laufzeitverlängerung der Atommeiler für die Anlagen mancher kommunaler Unternehmen das Aus hätte bedeuten können. Diese Verlängerung habe einer Energiemenge von sechs neuen Atomkraftwerken entsprochen. "Ich hoffe, dass die älteren Atomanlagen nun zügig vom Netz genommen werden", so Janning. "Für uns in Duisburg sind jetzt zwei Dinge wichtig. Zum ersten wird die Erweiterung unseres Kraftwerkes in Wanheim nun wirtschaftlich realistischer. Zum anderen hoffe ich, dass wir auf der Suche nach regenerativen Energiequellen nun mehr als die auf Aufsichtsratsebene bereits beschlossenen 15 bis 20 Millionen Euro investieren können."
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