Duisburg: Eine schrecklich nette Familie
VON JULIA HAGENACKER - zuletzt aktualisiert: 18.07.2007Duisburg (RPO). Die älteste Tochter flirtet mit Jungs, den Vater quält eine unheilbare Krankheit, die Mutter hat bereits drei Kinder verloren, und ihr jüngstes erkundet gerade die Welt. In mehreren Folgen stellen wir die Sippe von Orang-Utan-Baby Cili vor. Heute: Anette – die „Gluckenmama“.
Die älteste Tochter ist derzeit etwas anstrengend – sie befindet sich gerade in der Vorpubertät. Den nicht mehr ganz jungen Vater juckt das eigentlich nicht, dafür macht ihm seine Parkinson-Erkrankung ab und an schwer zu schaffen. Die Mutter, die schon fünf Kinder zur Welt gebracht hat, begluckt ihr jüngstes ein wenig überfürsorglich, während das Baby auf wackeligen Beinchen sein Zuhause entdeckt. Ach so, und das Wohnzimmer ist meistens unaufgeräumt. So weit, so menschlich, so weit so alltäglich. Jambi, sieben Jahre alt, Siam (47), Anette (24) und Cili (sechs Monate) – das Orang-Utan-Baby, dem die RP-Leser den Namen „Kleine Hübsche“ gaben – sind eine intakte Familie, wie sie im Buche steht. Die vier gehören zusammen und haben sich lieb. Wir stellen die schrecklich nette Affensippe genauer vor.
Ein Baby starb nach der Geburt
Zunächst Anette, die gebürtige Berlinerin. Im Februar 1983 wurde sie im Tierpark der Hauptstadt geboren, ursprünglich gehörte sie also dem Berliner Zoo. Der hatte 1991 die damals siebenjährige Rothaarige zur Zucht an die Kollegen in Duisburg verliehen. An der Spree nämlich gab es kein Männchen, das zu Anette passte, im Ruhrgebiet dagegen fand sie – auf Umwegen – ihr Glück.
Zwischen Stroh, Pappkartons und Klettergerüsten traf sie auf Siam, den Stattlichen. Fünf süße Kinder zeugten die beiden miteinander. Eines allerdings starb gleich nach der Geburt, zwei weitere mussten die Pfleger mit der Flasche aufziehen. Das war eine schwere, eine traurige Zeit.
„Wenn eine Affenmutter ihr Baby verliert, leidet sie genau so, wie jede menschliche Mutter auch“, sagt Alexander Nolte, Revierleiter im Affenhaus des Duisburger Zoos. Denn eine Affenmutter liebt bedingungslos. „Trotzdem kommt es gerade beim ersten Kind oft vor, dass sie aus Unerfahrenheit ihr Kleines nicht richtig versorgt. Das ist wie beim Menschen: Manche haben einen ausgeprägten angeborenen Mutterinstinkt, andere wissen nicht, wie herum sie ihr Kind an die Brust halten sollen. Nach 72 Stunden nehmen wir ihnen das Baby in so einem Fall weg.“ Ein Menschenaffen-Weibchen wie Anette muss man dafür in Narkose legen. Ihren Nachwuchs freiwillig hergeben – das würde sie nie.
Bei der Geburt von Jambi ist es anders gelaufen. Eine Pflegerin hat der Orang-Utan-Mama damals mit einer Puppe und einer Milchflasche gezeigt, wie sie mit ihrem Baby umgehen muss. Wie sie Cili, ihre kleine Hübsche, ordentlich groß kriegt, weiß Anette inzwischen ziemlich genau. Die Erfahrung gibt sie an ihre älteste Tochter weiter. „Jambi darf mit dem Baby spielen, es herumtragen und knuddeln“, sagt Alexander Nolte. „Aber wenn sie zu grob wird, kriegt sie eins hinter die Ohren.“ Die Erziehung nimmt Anette nämlich sehr ernst. Wie eine ganz normale Mutter das eben so tut.
Beim nächsten Mal stellen wir Siam, Cilis Papa, vor.
Alles rund um Cili finden Sie bei www.rp-online.de/cili.
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