Duisburg: Eisbrecher - der "echte" Checker ist zu Gast
VON ESTHER MAI - zuletzt aktualisiert: 21.04.2010 - 14:43Am Donnerstag wird es kalt in Duisburg - eiskalt. Dann nämlich wird der DMAX-Checker mit seiner Band Eisbrecher zu Gast sein. Bevor er jedoch im ausverkauften Pulp auf die Bühne geht, lädt er alle Fans zur Autogrammstunde in den Duisburger Saturn im Forum, Königstraße.
Geduldig lächelt er in die Kameras, beantwortet Fragen und lässt seinen Stift über Autogrammkarten, CD-Booklets, T-Shirts und Eintrittskarten sausen. Die Fans drängeln sich um ihn, wollen in den Arm genommen werden oder wenigstens ein paar Worte mit ihm sprechen: Alexx Wesselsky, der Checker und Sänger der Band Eisbrecher, kommt nicht zum Verschnaufen. Dass er schon seit den frühen Morgenstunden unterwegs ist, dass er schon lange keinen freien Tag mehr hatte - das lässt er die Fans nicht spüren.
Eisbrecher schwimmen derzeit auf einer Erfolgswelle – zur Autogrammstunde in Nürnberg vergangenen Freitag kamen über 600 Fans, die Rockfabrik, wo die Band den Release ihres neuen Albums „Eiszeit“ feierte, platzte am selben Abend aus allen Nähten. In Duisburg soll es am Donnerstag ähnlich werden: Das Konzert im Pulp ist bereits seit einem Monat ausverkauft, zur Autogrammstunde im Saturn (Königstraße, ab 17 Uhr) kündigen sich immer mehr Fans an.
Konzert in Duisburg
Neben Duisburg sind auch noch die Konzerte in Aschaffenburg und Glauchau ausverkauft. Nur für Hannover (Freitag) und Nürnberg (Sonntag) gibt es noch wenige Restkarten. Der Vorverkauf für die Konzerte im September und die Jahresabschluss-Konzerte ist bereits sehr gut angelaufen.
Das freut die Münchener Eisbuben. Denn bis 2007 sah es nicht immer gut aus für die Band, die Noel Pix und Alexx Wesselsky im Jahr 2002 gegründet haben. "Von 2002, meinem Ausstieg bei Megaherz, bis 2007 wusste ich schon manchmal nicht mehr weiter. Ich hatte keine Ahnung, was ich noch machen sollte, hatte kein Geld mehr."
Der Erfolg blieb zwar nicht komplett aus - doch auch ein Durchbruch schien sich erstmal nicht abzuzeichnen. Selbst bei dem letzten Album "Sünde" gab es anfangs ein paar Probleme - so wird das Album gegen den Willen der Band mit einem Kopierschutz versehen und ist, weil sich der Vertrieb und Amazon streiten, eine ganze Zeit lang nicht mehr bei dem Internetanbieter erhältlich.
Probleme in den Vorjahren
Probleme gab’s aber auch schon in den Jahren zuvor. Es war nicht immer leicht für den fast zwei Meter großen Hünen, der sein Leben der Musik verschrieben hat. 1994 gründete er zusammen mit Noel Pix die Band Megaherz, mit denen sich die beiden im Sektor der Neuen Deutschen Härte zu etablieren versuchten.
Mit mäßigem Erfolg. Megaherz rockten sich zwar in die Herzen der Fans, erreichten jedoch nie die Masse. Nach dem erfolgreichsten Megaherz-Album "Kopfschuss" verließ Noel Pix im Jahr 2000 schließlich die Band. Zwei Jahre lang spricht er kein Wort mehr mit seinem ehemaligen Bandkollegen, bis sich die beiden durch Zufall auf einem Konzert begegnen und sich aussprechen.
Mittlerweile ist auch Alexx bei Megaherz ausgestiegen. Und dass, obwohl die Kritiker und Veranstalter meinten, dass die Band mit ihrem neuen Album "Herzwerk II" kurz vor dem Durchbruch stünde. "Mir ist damals alles zu hardrockig geworden. Die Platte markiert einen Wendepunkt - ich wollte mehr Elektronik in der Musik haben."
Mittlerweile machen Alexx und Noel die Musik, die sie selbst gerne mögen: Sie mischen Rock mal mehr und mal weniger mit Elektronik und lassen sie manchmal gar die Überhand gewinnen. "Da hätten wir eigentlich auch früher drauf kommen können. Schließlich haben wir bei der Megaherz-Platte 'Kopfschuss' ein ähnliches Konzept gehabt. Pop meets schwarz meets rock."
Frei beweglich zwischen Schlager und Industrial
Und genau diesen Faden haben die beiden Musiker mit Eisbrecher nun auch bei Eiszeit aufgegriffen und weiterentwickelt. "Wir sind völlig frei und können uns zwischen Schlager und aggressivstem Industrial bewegen." Das ist aber auch ein Risiko, das Eisbrecher unter Umständen den Kopf hätte kosten können - schließlich ist es nicht jedermanns Sache, ein Album zu hören, das sich nicht in eine Schublade stecken lässt.
Doch der Kopf ist noch dran, der Band geht es besser denn je. Vielleicht auch, weil die Stücke, obwohl sie sich nicht gemeinsam einordnen lassen, immer unverkennbar nach Eisbrecher klingen. Schon allein die tiefe Stimme von Alexx Wesselsky hat einen Wiedererkennungswert und lässt nicht nur den Damen das Blut in den Adern gefrieren. Der Sänger ist dankbar für die Chance, die er bekommt: "Wenn dir deine Fans die Möglichkeit geben, dich auszutoben und dich dadurch immer weiterzuentwickeln, dann hast du das große Los gezogen", sagt Alexx.
Der Frontmann erzählt, dass er aufgrund seiner beiden Karrieren, die ihn zeitlich total in Anspruch nehmen, kaum Zeit für Privates hat. Auf der einen Seite ist er als der Checker unterwegs, um für Zuschauer Gebrauchtwagen zu testen. Auf der anderen Seite tourt er mit Eisbrecher quer durch Deutschland und die Nachbarländer.
Präsent in Fernsehen, der Werbung und im Musikbusiness
Und dann sind da noch die Werbeverträge: Für die nächsten Jahre ist er das neue Gesicht von Reifen.com, auch für eine Automarke wirbt er derzeit in einem TV-Spot. Beißt sich das nicht manchmal? "Das beißt sich nur in sofern, dass der Tag nur 24 Stunden hat und ich viel mehr Zeit bräuchte. Sozialleben fällt dann eher aus. Ich habe irrsinnig viel zu tun."
Da denkt man doch manchmal drüber nach kürzer zu treten, oder? "Ja, okay, es ist hart. Aber ich verdiene kein schlechtes Geld, es macht Spaß. Und letztendlich ist diese Checker-Nummer so was von gut für die Band."
Klar, schließlich ist Alexx eine wandelnde Litfasssäule, wenn er als Checker durch die Republik tourt. Immer trägt er Klamotten, auf denen zumindest das Eisbrecher-Logo zu sehen ist. "DMAX sieht es gar nicht so gerne. Die versuchen mir das endlich auszutreiben, aber ich werde es mir nicht austreiben lassen."
Das glaubt jeder unbesehen, der schon einmal erlebt hat, was passiert, wenn sich der Sänger über etwas aufregt. "Manchmal wünschte ich mir mehr Gelassenheit. Aber wäre ich nicht leidenschaftlich, würde ich mich nicht über einige Dinge aufregen, dann wäre ich auf der Bühne nicht authentisch.
Manchmal wünscht er sich mehr Gelassenheit
Authentisch ist Alexx auch nach seinen Auftritten - wenn er über das ganze Gesicht strahlt, weil die Show erfolgreich war und gut bei den Zuschauern angekommen ist. Dann wird mitunter auch mal gefeiert.
Doch ist das Musikerleben wirklich so wild? "Ja, es ist so, wenn man es zulässt. Aber ganz ehrlich: Wir sind auf Tour, wir spielen zehn Tage am Stück, jeden Tag - da musst du gesund bleiben. Du kannst nicht am nächsten Tag 'ne Scheißshow spielen, du kannst es nicht krachen lassen. Jeder will 'ne gute Show sehen. Ich als Fan von vielen Bands habe keinen Toleranzrahmen für einen sturzbesoffenen Frontmann. Das geht einfach nicht."
Eisbrecher freuen sich, dass sie ab Mittwoch wieder live spielen, auch wenn Alexx nach fast 20 Jahren im Profi-Musik-Geschäft noch immer von Lampenfieber geplagt wird. "Ich habe so höllisch Lampenfieber, das kann man sich gar nicht vorstellen. Ich werde vor der Show richtig krank. Das sind definitiv Krankheitssymptome, aber dafür entlädt es sich dann auf der Bühne umso mehr."
Wenn sich die Angst in Adrenalin, die beste Droge der Welt, umwandelt wird Alexx zum Kapitän, der den Eisbrecher sicher durch das unruhigste Fahrwasser steuert. Und unterwegs jede Menge Passagiere mit an Bord nimmt. So wie in Nürnberg, wo Alexx Stunde um Stunde für alte und neue Fans posiert und Autogramme schreibt.
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