Duisburg: Englische Einigkeit von Orgel und Organist
zuletzt aktualisiert: 21.02.2011 - 10:06Duisburg (RPO). Die Eule-Orgel der Philharmonie Mercatorhalle ist nach britischem Vorbild errichtet und zugleich vielseitig verwendbar. Da spitzten wir besonders die Ohren, als in der jüngsten, dritten diesjährigen Ausgabe der Konzertreihe "Toccata - Orgelmusik am Samstag Nachmittag" mit Colin Walsh ein englischer Organist zu Gast in dem gut gefüllten Konzertsaal war.
"Vor ein paar 100 Jahren" sei er zum ersten Mal in Deutschland gewesen, berichtete der Organist, und zwar in Duisburg, nämlich bei einem Schüleraustausch mit der Partnerstadt Portsmouth. "Damals war ich zum ersten Mal in meinem Leben betrunken und schlief in dieser Nacht wie tot. Sonst kann ich mich an nichts erinnern. Aber diesmal werde ich mich nicht betrinken!" Nur ein Beispiel für den lockeren britischen Humor, mit dem Colin Walsh den Nachmittag moderierte.
Als Verneigung vor den Gastgebern erklang hier Johann Sebastian Bachs kniffliges Präludium und Fuge G-Dur BWV 541, mit vollendeter Spieltechnik und einer raffinierten Anwendung der barocken Regel, dass immer der höchste Ton einer Phrase betont wird. Die Verbindung nach England brachte hier die anspruchsvolle "Fantasia and Toccata" d-Moll von dem britischen Brahms-Schüler Charles Villiers Stanford.
Eigentlich besteht englische Orgelmusik ja eher aus Charakterstücken für den Gottesdienst, erläuterte Colin Walsh in der Mercatorhalle. Aber er bewies mit seiner Auswahl zugleich, dass diese guten Gelegenheitswerke durchaus hörenswert sind. So wie das "Elegiac Prelude" von Dr. George Bennett, der von 1895 bis 1930 einer von Walshs Vorgängern als Organist der Kathedrale von Lincoln war. Das prächtige "Tuba tune" von Norman Cocker kam hier perfekt herüber, nicht nur weil das Eule-Instrument ein wunderbares englisches Tuba-Register enthält.
Die "Rhapsody" Nr. 1 von Herbert Howells sei "anglikanisch gemäßigt", so der Organist: "Das Lärm machen überlassen wir unseren Nachbarn in Frankreich." Sprach's und spielte den Kopfsatz aus der Symphonie Nr. 5 von Charles Marie Widor, mit einem klanglichen Gruß an die Kino-Orgel, sowie das umwerfende "Prélude et Danse fuguée" von Gaston Litaize.
Das großartige und im besten Sinne unterhaltende Orgelkonzert ging natürlich nicht ohne eine Zugabe zu Ende: es war eine "Trumpet tune" aus "King Arthur" von Henry Purcell. Orgel und Organist bildeten eine Einheit.
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