Duisburg: Entsorger mit Herz
VON JOSEF POGORZALEK - zuletzt aktualisiert: 06.09.2008Duisburg (RPO). Vor einem Jahr ist aus der Initiative „Bürger für Bürger“ ein eingetragener Verein geworden. Das Ziel: In jedem Stadtteil Lebensmittelausgaben für Bedürftige zu organisieren. Jeden Tag klappern Vereinsmitglieder Geschäfte ab und nehmen mit, was sonst im Abfall landet.
Straßenambulanz
Lebenmittelausgaben von Bürger für Bürger: Rheinhausen (Brahmsstraße 5a) täglich 15-17 Uhr; Homberg (Paßstraße 28) samstags 13-16; Marxloh (August-Bebel-Platz) dienstags 18; Meiderich (Spichernplatz) montags 18; Walsum (Kometenplatz) donnerstags 18 Uhr. Wer Lebensmittel haben möchte, muss einen Verdienstnachweis mitbringen. Ganz frei gibt es die Sachen nicht: ein Preis von einem Euro wird pro Einkauf erhoben.
„Bürger für Bürger“ ist seit einiger Zeit auch mit der „Straßenambulanz“ in Duisburg und Moers unterwegs. In dem ausrangierten Notarztwagen leisten Ärzte ehrenamtlich Bedürftigen Hilfe. Für die Straßenambulanz bittet der Verein um Spenden von Medikamenten und Verbandsmaterial.
Auch sonstige Spenden, ob Lebensmitteln, Spielzeug, Kinderbekleidung und andere Dinge, werden gerne angenommen.
rheinhausen Im Lagerraum des ehemaligen Kruppschen Konsums an der Brahmsstraße 5a stapeln sich die Körbe mit Äpfeln, Zucchini, Auberginen, Broccoli, Champignons, Bananen, Brot und anderen Lebensmitteln. Manches wirkt nicht mehr ganz ansehnlich, anderes steht kurz vor Ablauf des Haltbarkeitsdatums, aber „vergammelt“ sind die Sachen noch lange nicht. Für die Läden, aus denen die Lebenmittel stammen, ist dies dennoch nicht mehr verkäuflicher Abfall. Müll, der tagtäglich anfällt und von dem der Verein „Bürger für Bürger“ profitiert – oder besser: die Bedürftigen, an die er die Lebensmittel verteilt.
Vor genau einem Jahr wurde der eingetragene Verein, der schon vorher als Initiative tätig war, gegründet. Vereinschef Rolf Karling ist seinem Ziel, in jedem Stadtteil eine Lebensmittelausgabe zu organisieren, ein Stück näher gekommen. In der Vereinszentrale gibt es tägliche Ausgaben, darüber hinaus einige im Duisburger Norden (siehe Info). Zudem profitieren u.a. vier Kindergärten von der Zusammenarbeit mit „Bürger für Bürger“, und eine Zusammenarbeit mit der Lise-Meitner-Gesamtschule solle noch intensiviert werden. „Jetzt möchten wir eine Ausgabe in Neumühl organisieren, bevor wir uns in den Süden durchschlagen“, sagt Karling.
Bedürftige gebe es genug. „Das Stadtgebiet ist voll von ihnen, man muss aber zu den Leuten gehen“, meint Karling. Eine Fahrkarte zur Abgabestelle könnten sich die Hartz-IV-Empfänger, Kleinrentner und Geringverdiener nicht leisten. Allein an der Brahmsstraße seien 500 Personen registriert, die regelmäßig kommen. Ausgenutzt werde das Angebot nicht. „Die Leute nehmen nur das mit, was sie wirklich brauchen“, versichert Ute Muders, die bei Bürger für Bürger die Lebensmittelverteilung leitet.
Auch an Quellen für die ausrangierten Lebensmittel mangle es nicht. „Bürger für Bürger“ fahre Tag für Tag mit einem Kleintransporter 30 Läden ab. „Wir sind deren Entsorger.“, so Karling, „wir nehmen alles mit.“ Es gebe aber allein in Duisburg 1200 Geschäfte. Man mag sich gar nicht vorstellen, wie viele Lebensmittel da Tag für Tag weggeworfen werden! Auch der Austausch mit Lebensmittelausgaben zum Beispiel in Kamp-Lintfort oder Dinslaken klappe gut. „Die kriegen zum Beispiel von Kerrygold viel Butter und Brotaufstrich, während wir bei der Fruchtunion viel Obst und Gemüse bekommen“, erläutert Karling die Zusammenarbeit der Hilfsvereine.
Die Räume an der Brahmsstraße gehören ThyssenKrupp. „Bürger für Bürger“ muss nur die Betriebkosten entrichten. Der Vereinsvorstand möchte dort ein Café als Treffpunkt für Geringverdiener einrichten. Im Café „Hartzens Mountain“ sollen auch Kinder ein gratis Frühstück bekommen. Allerdings fehlt in der ehemaligen Verkaufshalle eine Heizung. Und mit Geld ist der Hilfsverein angesichts der Treibstoffpreise weniger gesegnet denn je. „Was wir einnehmen“, so Ute Muders, „geht fast alles für Sprit drauf.“
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