Duisburg: Erfolgreich von der Penne geflogen
VON NILS HERRMANN - zuletzt aktualisiert: 24.06.2008Duisburg (RPO). Deutschlands bekanntester „Hundeversteher“ Martin Rütter flog vom Haniel-Gymnasium und landete an der Hauptschule In den Haesen. Gestern besuchte er seine alte Schule und machte den Schülern Mut, etwas aus ihrem Leben zu machen.
homberg Ein dressierter Hund, TV-Prominenz zum Anfassen und eine packende Lebensgeschichte: Schauplatz dieser interessanten Kombination ist nicht ein Fernseh-Talk-Studio sondern die Aula der Hauptschule In den Haesen. Im Rahmen der Projekttage, die alljährlich zwischen Zeugniskonferenz und -ausgabe stattfinden, befasste sich diesmal eine Schülergruppe mit dem Thema „Mensch und Tier“. Für Rektor Klaus Weinberg war sofort klar, dass es nur einen geben könnte, der den Pennälern dazu etwas aus erster Hand erzählen könnte: Sein ehemaliger Technik-Schüler Martin Rütter, inzwischen Deutschlands bekanntester Tierpsychologe, zu dem er immer noch losen Kontakt hat.
„Hört auf eure Lehrer!“
Rütter ist sympathisch, unprätentiös und geerdet. Wie selbstverständlich steht der erfolgreiche Unternehmer, Buchautor und Medien-Star auf der kleinen Bühne der Aula – fast wie einst im Jahr 1986, als er seinen Abschluss machte. 1985 war Rütter vom Franz-Haniel-Gymnasium geflogen. „Wegen Disziplinlosigkeit“, wie er sagt. Geschadet habe ihm der Ausflug in die Hauptschule nicht. „Die Zeit war sehr lehrreich und intensiv. Viele Lehrer waren ausgesprochen engagiert“, betont der vierfache Familienvater. Für die vor ihm sitzenden Schüler hat Rütter wichtige Ratschläge parat: „Hört auf eure Lehrer, denn sie sind nicht da, um euch zu schikanieren. Schreibt euch nicht ab, weil ihr Hauptschüler seit. Schwänzt nicht den Unterricht, sondern erkennt eure Talente und macht etwas daraus“. Kein Schüler wagt einen missmutigen Zwischenruf oder belustigt sich an dem, was Rütter sagt. Vielleicht, weil der Redner einer von ihnen ist? Der lebende Beweis dafür, dass man es „auch“ als Hauptschüler zu etwas bringen kann – vorausgesetzt, man strengt sich an?
„Nach der Hauptschule habe ich mein Abitur in Moers nachgeholt und dann in der Schweiz Tierpsychologie studiert“, berichtet der Hundeversteher. Mit der Trainingsmethode „D.O.G.S“ schaffte Rütter den beruflichen Durchbruch. 1995 eröffnete er ein Ausbildungszentrum für Menschen mit Hund in Erftstadt, trat in Fernsehsendungen auf und ging auf Vortragsreise.
Davon wie gut D.O.G.S funktioniert, konnten sich die Schüler gestern überzeugen. Die Golden-Retriever-Hündin „Amy“ reagiert auf jedes Kommando ihrer Trainerin Andrea Paltzer (die ihr Handwerk bei Rütter gelernt hat). Auf Fingerzeig setzt sich Amy, legt sich flach hin oder stellt sich schlafend, um im nächsten Moment wieder hellwach aufzuspringen. Für die Kunststücke bekommt Amy etwas zu Futtern. „Ohne Lob geht gar nichts und das gilt auch für Menschen“, erläutert Rütter anschaulich. Im Fall der Hündin sei es eben etwas Fressbares, bei Schülern seien es gute Noten. Durch intensives Training habe Amy innerhalb eines Jahres gelernt, auf Kommandos zu reagieren. „Hunde wollen nämlich gefordert werden“, weiß der Tierpsychologe.
Gefordert wurde Rütter am Ende seines Vortrags von den Schülern. Autogramme fanden regen Zuspruch und manche Frage wurde gestellt. Man hat ja nicht jeden Tag die Möglichkeit mit einer Berühmtheit auf Tuchfühlung zu gehen.
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