Duisburg: Erst bei der Zugabe Weltklasse
VON INGO HODDICK - zuletzt aktualisiert: 07.12.2010Duisburg (RPO). Das berühmte Tokyo String Quartet erfüllte im jüngsten, vierten Kammerkonzert in der Duisburger Philharmonie Mercatorhalle die hohen Erwartungen nur bedingt. Erst bei den Zugaben war dann wirklich alles gut.
Das Tokyo String Quartet ist seit vier Jahrzehnten ein großer Name in der Musikwelt. Die Ursprungsbesetzung lernte sich 1969 bei einem Kurs in Tokio kennen, ein Jahr später trafen sich die Musiker an der renommierten Juilliard School of Music in New York wieder und gründeten ihre Formation. Sie spielen das sogenannte Paganini-Quartett, geschaffen von dem führenden Geigenbauer Antonio Stradivari im 18. Jahrhundert und verwendet von dem legendären Geiger Niccolò Paganini im 19. Jahrhundert.
Man ging also gespannt in das jüngste, vierte Kammerkonzert - und fand sich in der Duisburger Mercatorhalle in der Gesellschaft von etwas weniger Besuchern als sonst. Jedenfalls erfüllten Martin Beaver und Kikuei Ikeda (Violine), Kazuhide Isomura (Viola) und Clive Greensmith (Violoncello) die hohen Erwartungen nur bedingt. Joseph Haydns Streichquartett F-Dur op. 77 Nr. 2 Hob. III:82, das war 1799 das letzte vollendete Streichquartett des Meisters, wirkte hier eher konventionell aufgefasst, das heißt nicht besonders stilsicher vor allem in der Tongebung. Auch das Tempo und die Intonation, vor allem des Primarius, erschienen nicht ganz sattelfest. Viel mehr in seinem Element war das Tokyo String Quartet mit dem neoromantischen Streichquartett op. 11 (1936) von dem vor 100 Jahren geborenen Samuel Barber. Der Mittelsatz dieses Werks wurde weltberühmt in der Fassung für Streichorchester ("Adagio for Strings"). Unsere Ohren, Herzen und Hirne gewannen die Musiker erst nach der Pause durch eine äußerst vitale Darstellung des bekannten Streichquartetts A-Dur op. 41 Nr. 3 (1842) von dem vor 200 Jahren geborenen Robert Schumann. Der Überschwang der Romantik kam hier ebenso zum Zuge wie die stilistische Strenge.
Erst bei den beiden Zugaben war dann wirklich alles gut. Es waren der Pizzicato-Satz aus dem ursprünglich für das Programm vorgesehenen vierten Streichquartett von Béla Bartók und ein Scherzo aus einem Streichquartett von Franz Schubert.
Gebrüder Rivinius
Im nächsten Kammerkonzert am Sonntag, 23. Januar 2011, um 19 Uhr, gastiert Siegfried Rivinius, Konzertmeister der Duisburger Philharmoniker, zusammen mit seinen drei Brüdern.
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