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Trauermarsch fuer die Opfer der Loveparade-Katastrophe
  Foto: ddp, ddp
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Loveparade-Unglück: Duisburg nimmt Abschied: "Es ist nichts mehr so, wie es einmal war"

VON CHRISTIAN SCHWERDTFEGER - zuletzt aktualisiert: 31.07.2010 - 19:44

Eine Woche nach der Katastrophe mit 21 Toten bei der Loveparade in Duisburg trauert eine ganze Stadt. Aber nur wenige sind an den Unglücksort zurückgekehrt. Die meisten nehmen still Abschied.

"Es ist ist nichts mehr so, wie es einmal war" steht auf einem großen Schriftzug am Todestunnel. Darunter brennen Tausende Kerzen, liegen rote Rosen, sind Worte der Trauer, der Wut und der Verzweiflung auf Pappkartons, T-Shirts und Plakate geschrieben. Eine Woche nach der Loveparade-Katastrophe, bei der 21 Menschen ums Leben kamen, ist in Duisburg alles anders.

Eine ganze Stadt trauert. Sie trauert still. Nur wenige haben sich an diesem Samstag aus dem Haus getraut und sind zur großen Messe in die MSV-Arena gekommen. Die Duisburger wollen an diesem Tag für sich sein. Sie wollen in Ruhe trauern – fernab der Öffentlichkeit, der vielen Kameras, der Journalisten, von denen sie seit sieben Tagen fast rund um die Uhr belagert wurden – "es ist nichts mehr so, wie es einmal war".

Zurück an die Unglücksstelle

Es riecht nach zerlaufenem Wachs. Dunkle Wolken hängen über dem Unglücksort. Und vor allem ist es still an dem Ort, wo vor einer Woche Tausende auf die Loveparade drängten und verzweifelt um ihr Leben schrien.

Ann-Kathrin Westerhausen aus Aachen war eine von ihnen. Die 19-Jährige ist an diesem Samstag zurückgekehrt an die Stelle, an der sie beinahe ums Leben gekommen wäre. "Ich lag direkt neben der Treppe an der Zugangsrampe am Boden. Die Masse ist über mich hinweggetrampelt. Ich dachte, das war es. Hier komme ich nicht mehr lebend raus. Dann zog mich ein Mann vom Boden auf. Er hat mir das Leben gerettet", berichtet die 19-Jährige, die dabei schwere Schnittwunden und Prellungen erlitt.

Die Verletzungen werden in absehbarer Zeit verheilen, die tiefen Narben, die die Tragödie in ihrer Seele geritzt haben, werden es vermutlich nie. "Ich werde das nie vergessen können", sagt sie und zündet eine Kerze an.

Neben der 19-Jährigen legt eine Frau einen Kranz mit 21 Sonnenblumen nieder. Sie symbolisieren die 21 Menschen, die in der Massenpanik ums Leben kamen. Die Frau weint. Wütend ist sie auf die Veranstalter, die Stadt Duisburg, die Polizei – anklagen möchte sie an diesem Tag aber niemanden. "Heute sind wir gekommen, um zu trauern, der Toten zu gedenken. Hass hat heute keinen Platz", sagt sie. "Es ist nichts mehr so, wie es einmal war."

Polizei regelt Zufluss zum Tunnel

"Wo wart ihr letzte Woche? Wieso habt ihr letzte Woche nicht so den Einlass geregelt? Wieso nicht?", fragt eine junge Frau den Polizisten, der den Ein- und Ausgang zur Karl-Lehr-Straße Richtung Unglücksort penibel regelt. Der junge Beamte zuckt nur mit den Schultern, als wollte er sagen: Ich weiß es nicht.

Am vergangenen Samstag strömten Tausende unkontrolliert durch dieses Nadelöhr in den Tunnelbereich und drückten von hinten auf die Menschenmasse am Unglücksort. Diesmal regelt die Polizei den Zufluss zum Tunnelbereich. Sieben Tage nach der Tragödie hat die Polizei an beiden Tunnelzugängen Straßensperren errichtet. Sogar Wellenbrecher stehen in der Straßenmitte, um den Zu- und Abfluss der Trauernden zu regeln.

Zur Unglücksstelle werden nur die Angehörigen und Politiker durchgelassen. Bis auf wenige andere müssen alle Trauernden vor den beiden Tunneleingängen Abschied von den Toten nehmen. Selbst Rettungskräfte des Deutschen Roten Kreuzes, die vor einer Woche mit ihrem Einsatz viele Menschenleben retten konnten, dürfen erst nach langer Diskussion mit der Polizei durch. Duisburg, eine Woche nach der Katastrophe: Es ist nichts mehr so, wie es einmal war.


 
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