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Loveparade Panorama Tunnel Kerzen
  Foto: ddp, ddp
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Loveparade: Fahrlässige Tötung: Verfahren gegen 16 Personen

VON CHRISTIAN SCHWERDTFEGER - zuletzt aktualisiert: 18.01.2011 - 21:28

Ein halbes Jahr nach der Katastrophe auf der Loveparade stehen die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft vor dem Abschluss. Gegen 16 Personen ist ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung und der fahrlässigen Körperverletzung eingeleitet worden. Gegen Duisburgs Oberbürgermeister Sauerland ist nicht unter den Beschuldigten.

Das teilte die Staatsanwaltschaft in einer Pressemitteilung am Dienstag mit. Es werde von Seiten der Staatsanwaltschaft nicht ausgeschlossen, noch weitere Personen in "den Kreis der Beschuldigten" einzubeziehen. „Wir sind nun an dem Punkt, an dem wir überlegen, Verfahren gegen konkrete Personen einzuleiten“, so Rolf Haferkamp, Sprecher der Duisburger Staatsanwaltschaft.

Während der Loveparade am 24. Juli war an einem überfüllten Zugangstunnel eine Massenpanik ausgebrochen. 21 Menschen starben, mehr als 500 wurden verletzt.

Bei den 16 Personen handelt es sich ausschließlich um Verantwortliche der Stadt Duisburg, des Veranstalters "Lopavent" und der Polizei. Insgesamt soll es sich um elf Mitarbeiter der Stadtverwaltung und einen Polizeibeamten handeln, teilweise in leitenden Funktionen. Zudem sind vier Angestellte von Lopavent betroffen. Der Oberbürgermeister der Stadt Duisburg, Adolf Sauerland (CDU), und Veranstalter Rainer Schaller sind den Angaben zufolge aber nicht unter den Beschuldigten.

Sauerland nahm gegenüber unserer Redaktion zu den Ermittlungen am Dienstag ebenfalls Stellung. "Die Stadt Duisburg hat vollstes Vertrauen in die Arbeit der ermittelnden Behörden und wird diese auch weiterhin unterstützen. Ich möchte auch an dieser Stelle unterstreichen, dass ich voll und ganz hinter meinen Mitarbeitern stehe.  Ich bin überzeugt, dass wir alle nach bestemWissen und Gewissen gehandelt und keine Amtspflichten verletzt haben."

Sauerland wandte sich auch an die Betroffenen der Katatsrophe. "Gleichzeitig möchte ich diesen Anlass nutrzen, nochmal mein bedauern darüber zum Ausdruck zu bringen, dass ich den Gefühlen der Geschädigten in vielerlei Hinsicht nicht gerecht geworden bin", sagte der Oberbürgermeister.

Die Duisburger Bundestagsabgeordnete Bärbel Bas (SPD) begrüßt die neue Entwicklung, bedauert aber, dass nicht gegen Adolf Sauerland und Rainer Schaller ermittelt wird.

Die Namen der Mitarbeiter, gegen die ein Verfahren eingeleitet wird, wollte die Staatsanwaltschaft nicht mitteilen. Eine Anklageerhebung durch die Duisburger Staatsanwaltschaft, die vier Beamte für den Fall abgestellt hat, ist dennoch nicht in Sicht. "Die Festsstellung eines Anfangsverdachts bedeutet nicht zwingend, dass sich die Beschuldigten auch vor Gericht verantworten müssen", heißt es in der Presseerklärung. Erst die weiteren Ermittlungen würden zeigen, ob im Einzelfall Anklage erhoben und ein Gerichtsverfahren eingeleitet werde.

Jäger: Verantwortliche zur Rechenschaft ziehen

„Wir wollen Klarheit über die Ursachen der Katastrophe. Deshalb haben wir von Anfang an auf Offenheit und Transparenz gesetzt und die Öffentlichkeit bis an die Grenzen des rechtlich vertretbaren informiert. Außerdem haben wir die Polizei Köln als neutrale Behörde beauftragt, die Staatsanwaltschaft Duisburg zu unterstützen", erklärte NRW-Innenminister Ralf Jäger heute in Düsseldorf, nachdem die Staatsanwaltschaft ihren aktuellen Ermittlungsstand zur Loveparade bekanntgegeben hatte.

„Die Verantwortlichen für diese Katastrophe müssen ermittelt und zur Rechenschaft gezogen werden", erläuterte Jäger. „Aber Bestrafung allein greift zu kurz. Mindestens ebenso wichtig ist es, dass wir die richtigen Konsequenzen für zukünftige Großveranstaltungen aus der Loveparade ziehen", so Jäger weiter.

Der NRW-Innenminister verlangt eine deutlich höhere Verlässlichkeit, dass die Städte in Zukunft bei den Genehmigungen für Veranstaltungen keine Abstriche bei den Sicherheitskonzepten zulassen und sich die Veranstalter an die erteilten Auflagen halten.

Der Zwischenbericht der Staatsanwaltschaft zum Stand der Ermittlungen basiert auf der Vernehmung von mehr als 2200 Zeugen sowie der Auswertung von Tausenden Fotos und stundenlanger Videoananlayse.

Quelle: csh/efie

 
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