Duisburg: Falscher Polizist zu Haftstrafe verurteilt
VON JULIA HAGENACKER - zuletzt aktualisiert: 05.04.2008Duisburg (RPO). Huckingen / Stadtmitte Am Anfang kam den Jungs die Sache überhaupt nicht komisch vor. Dass es Polizisten gibt, die nicht wie Polizisten aussehen, weil sie anstatt einer ordentlichen Uniform, sagen wir mal, ausgebeulte Jeans à la Horst Schimanski tragen, wussten sie wahrscheinlich aus dem Fernsehen. Also hätte es rein theoretisch auch sein können, dass so ein Zivilbeamter der Kriminalpolizei plötzlich abends, im Februar 2006, im Huckinger Biegerpark auftaucht und sich drei ahnungslosen Schülern mit den Worten: „Stopp, Polizei! Ich muss mal eure Taschen kontrollieren, sehen, ob ihr Drogen dabei habt“, in den Weg stellt. Da kommt ja erst mal keiner auf die Idee, dass der Mann kein eifriger Beamter, sondern ein krimineller Drogensüchtiger auf der Suche nach verwertbarer Beute sein könnte. Eigentlich.
Gestern verurteilte das Landgericht den falschen Polizisten, der bereits eine neunjährige Haftstrafe wegen Totschlags absitzt, zu noch einmal einem Jahr und sechs Monaten Haft wegen schwerer räuberischer Erpressung und Diebstahls in Tateinheit mit Amtsanmaßung. Insgesamt sitzt der 26-Jährige damit wahrscheinlich zehn Jahre und sechs Monate im Gefängnis.
Drei Mal hatte er sich im Februar 2006 Jugendlichen gegenüber als Kripobeamter in Zivil ausgegeben – während des Rosenmontagszugs auf der Düsseldorfer Straße, im Kant- und, wie gesagt, im Biegerpark. In allen drei Fällen forderte er von seinen Opfern das Handy ein, angeblich, um es im Streifenwagen auf dessen rechtmäßigen Erwerb zu überprüfen. Einen Streifenwagen gab es natürlich nicht. Die Mobiltelefone waren weg. In einem Fall auch 20 Euro.
Deutlich ernster dagegen mutete die Situation im Biegerpark an. Dort hielt der Angeklagte, dem der psychiatrische Gutachter im Prozess eine „gestörte Persönlichkeit“ mit „hohem Aggressionspotenzial“ bescheinigte, einem der drei Schüler einen Gegenstand unter die Nase, der für den damals 16-Jährigen wie ein Messer aussah. Daraufhin gab der Junge seine Markenjacke und seine Baseballkappe her.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







