Duisburg: Fast wie in einer Großfamilie
zuletzt aktualisiert: 24.09.2007Duisburg (RPO). Es ist kurz vor zwölf Uhr mittags und es duftet verführerisch im Alten Rathaus Rumeln. Auf dem Herd steht ein Topf, am Tisch schält eine Gruppe betagter Damen Kartoffeln und putzt Möhren. Eine alltägliche Szene. Und doch eine ungewöhnliche, denn das Alte Rathaus ist ein Alten- und Pflegeheim.
Allerdings ein besonderes. „Rumelner Hausgemeinschaften“ steht auf dem Schild über dem Eingang. Denn in Rumeln verfolgt die Evangelischen Altenheime Duisburg GmbH ein ganz neues Konzept. Die 80 Bewohner leben in sieben Gruppen, den „Hausgemeinschaften“, fast wie Großfamilien. Jede Gruppe hat eine große Wohnküche, in der sich das Gemeinschaftsleben abspielt. Und neben dem Pflegepersonal gibt es für jede Gruppe „Präsenzkräfte“, die in zwei Schichten nicht nur den Haushalt führen, sondern auch wichtige Bezugspersonen der Senioren sind.
„Wir wollen den alten Leuten so viel normalen Alltag ermöglichen wie möglich“, sagt Pflegedienstleiter Thomas Müller-Bußmann. So wird mit den Senioren besprochen, was sie essen möchten, dann gemeinsam auf dem Markt eingekauft und schließlich gemeinsam gekocht. Dass sich der Beitrag der Bewohnerinnen dabei manchmal auf einfachste Tätigkeiten beschränkt, ist keine bloße „Beschäftigungstherapie. Selbst demente Senioren seien auf diese Weise nicht, wie sonst oft, „zur Passivität verurteilt“. Ein Nebeneffekt, so Bußmann: „Die Leute essen gut und mit viel Appetit. Das ist in vielen Heimen ein Problem.“
Das Essen und seine Zubereitung ist nicht das einzige, aber ein zentrales Element der Hausgemeinschaften. Natürlich wird auch zusammen gelesen, gesungen, gespielt. Aber: Dies alles geschieht im Kreis der Hausgemeinschaft. Kontakt zu den anderen Gruppen gibt es zwar, doch gemeinsame Veranstaltungen kaum – „Eigentlich nur den Gottesdienst“, sagt Bußmann. Zentrale Einrichtungen gibt es im Haus nicht (so auch nicht die übliche Großküche). Einzige Ausnahme: die Wäscherei.
Das Alte Rathaus sei das erste Heim in Duisburg, das solch ein Konzept verwirklicht hat, berichtet Johannes Eßmann, Geschäftsführer der Evangelischen AltenhilfeDuisburg GmbH. Im Grunde lehne man sich dabei an Vorbilder aus der Betreuung Behinderter. Die während einer 15-monatigen Probephase gesammelten Erfahrungen machen Mut. Die Senioren seien munterer, selbstständiger, brauchten weniger Pflege. So will die Evangelische Altenhilfe, die insgesamt fünf Häuser in Duisburg hat, das Konzept auch auf andere Heime übertragen. „Der Bereich der Altenpflege ist im Umbruch“, so Eßmann. „Die starre Trennung zwischen ambulant und stationär wird es so nicht mehr geben.“ Das Hausgemeinschaften-Konzept könne zukunftsweisend sein. Zumal das Heimentgelt, entgegen den anfänglichen Warnungen einiger Skeptiker, nicht höher sei als anderswo.
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