Duisburger OB auch in eigener Partei unter Druck: FDP und Linke verlangen Sauerlands Abwahl
zuletzt aktualisiert: 30.07.2010 - 17:42Nach der Katastrophe bei der Loveparade mit 21 Toten gerät der Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) auch in der eigenen Partei zunehmend unter Druck. Der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Wolfgang Bosbach (CDU), legte Sauerland im ZDF den Rücktritt nahe. Sauerland dementiert, sich zum Rücktritt entschlossen zu haben.
Nach Informationen unserer Redaktion fordert nun auch die FDP im Duisburger Rathaus die Abwahl von Sauerland. Das Stadtoberhaupt müsse "die politische Verantwortung für die Tragödie übernehmen und das Amt abgeben", so FDP-Fraktionschef Wilhelm Bies. Zuvor hatte bereits die Linke erklärt, sie strebe die Abwahl des OB an. Nach Angaben der stellvertretenden Fraktionschefin im Rathaus, Brigitte Diesterhöft, muss mindestens die Hälfte aller Ratsmitglieder die Einbringung eines solchen Antrags unterstützen.
Die 63-köpfige Ermittlungsgruppe "Loveparade" von Staatsanwaltschaft und Polizei ist unterdessen komplett. Sauerland hatte eine Mitschuld am tödlichen Ausgang der Loveparade von sich gewiesen und erklärt, er habe keine Genehmigung unterschrieben. Der Duisburger Oberbürgermeister dementiert, sich zum Rücktritt entschlossen zu haben.
Ein entsprechender Bericht der "Berliner Morgenpost" sei eine Ente, sagte eine Sprecherin der Stadt am Freitag. Das Blatt hatte unter Berufung auf ranghohe Sicherheitskreise berichtet, Sauerland wolle zurücktreten. Einen Rückritt lehnte er bisher ab.
Bosbach drängt Sauerland zu Rücktritt
Mit Bosbach drängte nun erstmals ein prominenter Unionspolitiker auf den Amtsverzicht des Oberbürgermeisters. Sauerland trage die politische Verantwortung und "hafte" damit auch politisch für mögliche Fehler seiner Mitarbeiter, sagte Bosbach am Donnerstagabend in der ZDF-Sendung "Maybrit Illner".
"Ob ich eine Verfügung unterschrieben habe oder nicht, ist völlig zweitrangig", fügte er hinzu. Auch der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Hans-Peter Uhl (CSU), sieht bei Sauerland den "Hauptfehler". Die Loveparade "hätte nie und nimmer genehmigt werden dürfen", sagte er der "Financial Times Deutschland".
Trauerfeier am Samstag
Bei der Massenpanik auf der Loveparade waren am vergangenen Samstag 21 Menschen getötet und mehr als 500 verletzt worden. Zu der Trauerfeier für die Opfer werden an diesem Samstag in der Duisburger Salvatorkirche auch Bundespräsident Christian Wulff und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erwartet. Sauerland will dagegen nicht teilnehmen, da er nach Angaben eines Stadtsprechers "die Gefühle der Angehörigen nicht verletzen und mit seiner Anwesenheit nicht provozieren" will.
Nach Mitteilung der Staatsanwaltschaft Duisburg und der Polizei Köln haben inzwischen alle Beamte der Ermittlungsgruppe in Köln ihre Arbeit aufgenommen. In den vergangenen Tagen sei bereits eine große Zahl von Hinweisen ausgewertet worden, die die Ermittler aus ganz Deutschland erreicht hätten. Zudem fahnden Kriminalbeamte im Internet nach Filmsequenzen und Blog-Einträgen, die für die Rekonstruktion der Tragödie wichtig sein könnten.
Der Chef des Kulturhauptstadt-Projekts "Ruhr.2010", Fritz Pleitgen, warnte vor einer vorschnellen öffentlichen Abstrafung der Verantwortlichen für die Katastrophe. Er habe das Gefühl, "dass da jetzt so eine Jagd auf die Schuldigen ausbricht", sagte Pleitgen ebenfalls in der Sendung "Maybrit Illner".
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