Duisburg: Feldstudien über die Spezies "Ruhrgebietler"
VON SONJA BROWATZKI - zuletzt aktualisiert: 18.07.2011Duisburg (RP). Friemersheim Es ist wie verhext mit dem Friemersheimer Kultursommer. Auch in diesem Jahr ließ das Wetter mehr als zu wünschen übrig. Die Folge: So einige Stühle blieben unbesetzt. Wer sich am Freitagabend trotzdem auf den Weg zur Dorfkirche machte, wurde jedoch belohnt. Das Programm "Null Bock auf Klassik" des Duisburger Kabarettisten Kai-Magnus Sting und der Philharmonixx hielt, was es versprach. Sting präsentierte sich in Bestform und brachte einen Kracher nach dem anderen über den Ruhrgebietler und seine liebenswerten Eigenarten.
Die besten Feldstudien zum Themenkomplex "Mensch im Ruhrgebiet" lassen sich laut Sting in öffentlichen Verkehrsmitteln betreiben: "Fahren Sie mal mit der S1 von Düsseldorf nach Dortmund, da haben Sie alles von dieser Welt gesehen. In sämtliche Fratzen geblickt. Und wenn Sie Glück haben, nehmen Sie auch noch 'ne ansteckende Krankheit mit nach Hause."
Sting zitierte einen Satz, den er beim Metzger gehört hatte: "Tun Sie mich mal den Gehacktem", lautete die Bestellung einer älteren Dame. Gruppendynamisch ließ Sting den Satz vom Publikum nachsprechen, um dann anzuklagen: "Und das Schlimme ist ja, Sie kriegen auch noch das, was Sie wollen."
Auch für Paare gab er Tipps. Man solle niemals auf den Vorschlag "In diesem Jahr schenken wir uns zu Weihnachten mal nichts" eingehen. "Ich habe mich letztes Jahr daran gehalten. Was meinen Sie, was da los war?". Die Frage "Bin ich zu dick?" entlarvte er als böse Falle, die Mann am besten umschifft, indem er überzeugend lügt. "Oder Sie sagen die Wahrheit. Überlegen Sie es sich: Zwei lustige Sekunden, aber zwei scheiß Wochen", warnte er seine Geschlechtsgenossen.
Originelle Medleys
Generell gelte für die Sprache des Ruhrgebiets: "Erstmal Hömma. Manchmal kommt dann auch nichts mehr, aber jeder weiß, was gemeint ist." Auch beliebt sei die "Hömma samma womma nomma"-Kombination, die besonders am Sonntagabend auf dem ehelichen Sofa zwischen Tagesschau und Tatort zur Anwendung komme.
Angesichts solcher Lacher verziehen ihm die Friemersheimer sogar, dass er über ihre geliebte Dorfkirche herzog: "Könnte aber auch mal wieder einen Anstrich vertragen, wie man so schön sagt. Ist von außen etwas mitgenommen."
Von den Philharmonixx gab es leichte Sommermelodien und witzige Medleys. Immer wieder blitzten bekannte Melodien auf und verleiteten in der Kombination zum Schmunzeln. So folgte auf "Smoke on the water" und dem "Pink Panther Theme" das Loblied "Freude schöner Gotterfunken". Allein diese Titel zu einem passenden Ganzen zu Verschmelzen, zeugt von höchster Musikerkunst.
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