Duisburg: Fernwärme als Alternative
VON STEFAN OSSENBERG - zuletzt aktualisiert: 22.12.2009Duisburg (RPO). Ein Großteil der Fernwärme, die in Duisburg verbraucht wird, wird im Heizkraftwerk Drei der Stadtwerke Duisburg
in Wanheim produziert. Für viele Verbraucher könnte sich ein Umstieg lohnen. Sinken doch die Preise im kommenden Jahr um 18 Prozent.Wanheim Wenn es kalt wird, so wie in den vergangen Tagen, dann nehmen die meisten Duisburger die Gasheizung in ihrer Wohnung in Betrieb. Viele warten lange, um Kosten zu sparen. Denn der Gaspreis, der an den Ölpreis gekoppelt ist, steigt Jahr für Jahr. Doch in rund 40 000 Haushalten in Duisburg ist dieser Schritt nicht mehr nötig. Die dort lebenden Menschen haben sich dafür entschieden, auf eine andere Art zu heizen: Fernwärme ist ihre Alternative. Doch wie diese her- und bereitgestellt wird, dass wissen die wenigsten der Nutzer. Dirk Feldges, Betriebsleiter des Heizkraftwerks II B in Wanheim weiß es dafür umso genauer.
Kraft-Wärme-Kopplung
Die sogenannte Kraft-Wärme-Kopplung ist ein kombiniertes Verfahren aus Stromgewinnung und Wärmeerzeugung, die eine Ausnutzung der Energie von bis zu 90 Prozent ermöglicht. Bei konventionellen Kraftwerken ohne Kopplung liegt dieser Wert bei rund 35 Prozent.
Im Leitstand des Kraftwerks sind an der Wand große Bildschirme montiert, Lichter blinken, ein Alarmton schrillt, Feldges nimmt eine Computermaus in die Hand, nach zwei Klicks ist der Alarmton nicht mehr zu hören – Alltag für den Betriebsleiter. "Der Job hier erfordert von meinen Mitarbeitern hohe Konzentration, Teamfähigkeit und theoretisches wie auch praktisches Wissen rund um den ganzen Prozess. Eigentlich muss man jedes kleines Rädchen der Anlage und die der anderen Anlagen kennen", so Feldges.
So laut wie auf dem Flugfeld
Unten im Maschinenraum ist es laut. "Wenn die Turbinen nicht in extra Containern untergebracht wären, dann wäre es hier so laut wie auf einem Flugfeld", berichtet Frank Esters, Geschäftsbereichsleiter Engineering der Stadtwerke Duisburg Netzgesellschaft. "Im Endeffekt sind die Strom erzeugenden Turbinen sehr ähnlich zu den Turbinen von Flugzeugen." Insgesamt arbeiten im Wanheimer Wärmekraftwerk drei Turbinen. Zwei Gasturbinen erzeugen Strom, der dabei entstehende 600 Grad heiße Dampf wird dann zu einer Dampfturbine geleitet, die die Wärme des Stromgewinnungsprozesses nutzt, um kaltes Wasser auf bis zu 130 Grad zu erhitzen und wieder in den Fernwärmeprozess zurückzuleiten. Seit rund 50 Jahren bieten die Stadtwerke Fernwärme an, wie sich Dr. Edmund Baer vom Vorstand des Unternehmens erinnert.
"Dadurch, dass die Kunden keine eigenen Öl- oder Erdgasheizungen mehr benötigen, ist der gesamte Prozess sehr umweltschonend", so Baer weiter. "Wenn alle, die wir mit Fernwärme versorgen, einen eigenen Ofen hätten, würde das eine Million mehr CO2 -Gas im Jahr bedeuten", ist sich das Vorstandsmitglied sicher. Rund 120 000 Tonnen Kohlendioxid werden schon während der Herstellung durch die Kraft-Wärme-Kopplung eingespart. Und die Versorgung mit Fernwärme für ganz Duisburg wird, mit Außnahme des Nordens der Stadt, fast ausschließlich in Wanheim produziert. Sogar nach Rheinhausen sind zwei Verbindungen gebaut worden. Eine über die Brücke der Solidarität, eine andere Leitung verläuft unter dem Rhein. "So können wir jeder Situation gerecht werden", erklärt Baer. Einen Supergau könne es aus technischer Sicht zudem auch nicht geben. Doch was passiert, wenn das Wasser das Kraftwerk verlassen hat? 130 Grad heiß kann es nicht aus dem Wasserhahn des Endnutzers fließen. Antwort auf diese Frage gibt beispielsweise ein unscheinbarer Container am Wohnpark "Neuenhof" auf dem alten Kasernengelände in Wanheim.
Dort ist seit 2006 eine Fernwärme-Kopfstation untergebracht, die das dort ankommende Wasser für den Endverbraucher aufbereitet. Der Druck wird von acht auf vier Bar gedrosselt, die Temperatur von maximal 130 auf maximal 90 Gradheruntergefahren. Für die Gebag, die Bauherrin, ist die Fernwärme eine "optimale Lösung", wie die Verantwortlichen mitteilen. "Das ist preisgünstige Energie. Für einen Haushalt zahlt man im Monat nur bis zu 70 Euro pro Monat, da können eigene Heizungen preislich nicht mithalten. Und man spart die Wartungskosten und den Schornsteinfeger", so Stefan van den Heuvel von der Gebag.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







