Duisburg: Feste fasten bis Karfreitag
VON MIKE MICHEL - zuletzt aktualisiert: 19.03.2008Duisburg (RPO). Viele nutzen die Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostern, um zu fasten. Um Verzicht zu üben, innere Einkehr zu finden – oder auch einfach nur, um abzunehmen. Wir haben Prominente gefragt – und den Selbsttest gewagt.
Die Waage hat eine Digitalanzeige. Und sie lügt nicht. Leider. Dass ich die Fastenzeit nutzen werde, hatte ich schon vor längerer Zeit beschlossen. Dass mir die Waage am Morgen des Aschermittwoch ein dreistelliges Ergebnis beschert, hatte ich befürchtet. Dass genau dies auch eintrifft, trifft mich dann aber doch wie ein Keulenhieb.
Kein Sport im Winter, zu viele Feierabendbierchen, Chips und Süßigkeiten – die Liste meiner Sünden ist fast so lang wie mein Gesicht. Auf in den Kampf: In den gut sechs Wochen bis Karfreitag habe ich mir 15 Kilo zum Ziel gesetzt. Ein ehrgeiziges Unterfangen, aber aus Erfahrung weiß ich: Es geht, wenn der Wille stark genug ist. Er ist es!
Individuelle Buße
In der Fastenzeit entfällt nach alter kirchlicher Tradition vor allem Fleisch. Da dies jedoch nicht für alle ein Verzicht darstellt, schlägt die katholische Kirche auch andere Formen der Askese vor. So essen viele Katholiken in der Zeit keine Süßigkeiten und entsagen Genussmitteln wie Kaffee, Tee oder Alkohol. Andere schränken alltägliche Gewohnheiten wie Fernsehen oder Computerspielen ein und meiden Kneipen- oder Diskobesuche.
Die Spielregeln sind einfach: Kein Zucker, kein Fleisch, kein Alkohol. Dazu viel, viel Sport. Der erste Tag ist noch zu verschmerzen. Eine dicke Erkältung verhindert in den ersten Tagen zwar größere sportliche Aktivitäten, dämpft aber auch spürbar den Hunger. Kein Würstchen, kein Bier – macht nichts. Keine Gummibärchen, kein Schokoriegel – das ist schon schlimmer. Der erste Zehn-Kilometer-Lauf ist frustrierend: Mein rechtes Knie schmerzt, mein Bauch wackelt, ich gerate ins Japsen und brauche fast 52 Minuten für eine Strecke, die ich im vergangenen Sommer noch in einer guten Dreiviertelstunde schaffte. Ohne größere Anstrengung. Dazu kommen morgens ungewohnte Kopfschmerzen und Übellaunigkeit, die mir meine Redaktionskollegin aber verzeiht. Schließlich hatte ich sie vorgewarnt.
Die Waage ist auch nach der ersten Fastenwoche unbestechlich. 5,2 Kilo weniger als noch Aschermittwoch. Ich bin zufrieden. Nach zwei Wochen sind es 8,4 Kilo weniger, und das Laufen wird immer leichter. Allerdings: Die oft zitierten Glückshormone will mein Körper nun partout nicht ausstoßen. Es ist und bleibt eine Schinderei. Aber eine, die sich lohnt. Nach fünf Wochen sind 14 Kilo runter. Das fehlende Kilo schaffe ich locker. Genau so wie das Zunehmen, wenn ich mich wieder gehen lasse.
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