Duisburg: Feuerwerk der neuen Stimmen
VON MICHAEL TEGETHOFF - zuletzt aktualisiert: 03.01.2008Duisburg (RPO). Ein Neujahrskonzert der etwas anderen Art präsentierten die Duisburger Philharmoniker in der ausverkauften Mercatorhalle. Diesmal gehört das Programm dem Sängernachwuchs.
Die Rechnung ging auf: Als die Besucher des Neujahrskonzerts die restlos ausverkaufte Mercatorhalle verließen, waren nur lobende Worte zu hören. Die Begeisterung war gerechtfertigt, denn drei Finalisten des renommierten Gesangswettbewerbs „Neue Stimmen“ überzeugten mit gekonnt dargebotenen Opernszenen und machten die Veranstaltung – so auch der Titel des Neujahrskonzerts – zu einem „Feuerwerk der Neuen Stimmen“.
Auch der Humor kam nicht zu kurz
Dass die Duisburger Philharmoniker unter der Leitung von Generalmusikdirektor Jonathan Darlington für eine kostbare Grundierung der Gesangsbeiträge garantierten, verstand sich fast von selbst. Auch der Humor kam nicht zu kurz, nämlich in der Moderation von Stefan Keim und in manchen Einlagen des Dirigenten, der zwischendurch mitsang und bei der obligatorischen „Radetzky-Marsch“-Zugabe am Schlagzeug mitwirkte. Da es in Opern oft sehr ernst zugeht, erfuhr das Programm also willkommene Auflockerung.
Neue Stimmen
Alles begann 1995 mit einem Silvesterkonzert im Stadttheater. In ununterbrochener Folge schlossen sich die Neujahrskonzerte an, die aber in der alten Mercatorhalle, während der Übergangszeit im Theater am Marientor und jetzt zum ersten Mal in der neuen Mercatorhalle veranstaltet wurden.
Vielfach waren Gesangssolisten beteiligt, diesmal jedoch gleich drei junge Nachwuchssänger, die beim Wettbewerb „Neue Stimmen“ in Gütersloh ausgezeichnet wurden, wo die Duisburger Philharmoniker 2005 und 2007 die Kandidaten in der Schlussrunde begleiteten.
Die Sopranistinnen Julia Novikova und Jessica Pratt sowie der Bariton Günter Papendell wurden zur Gestaltung des Neujahrskonzerts ausgewählt. Die Namen der Solisten klingen international, und dennoch sind manche Sänger in der Region bereits bekannt: Julia Novikova studierte am Konservatorium in St. Petersburg, sang dort auch am Mariinski-Theater und hat nun ein Engagement am Theater Dortmund. Der Augsburger Günter Papendell war am Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen verpflichtet und wechselte gerade an die Berliner Komische Oper. Jessica Pratt wiederum ist australischer Abstammung, sang viel an italienischen Opernhäusern und kommt im Januar 2008 durch ein Stipendium an die Wiener Staatsoper. Eindrucksvoll war der Beginn des Neujahrskonzerts mit dem Prolog aus Ruggiero Leoncavallos „Bajazzo“, in dem Günter Papendell markant den Tonio verkörperte. Nobel sang er später Don Giovanni, Marquis Posa und Wolfram von Eschenbach. Die Sopranistinnen – stimmlich in ähnlichem Fach beheimatet – beeindruckten vor allem mit anspruchsvollen Koloraturpartien. Julia Novikova bot einen delikaten Vortrag von Lakmés berühmter Glöckchenarie, überzeugte mit dezent perlenden Koloraturen (Rosina im „Barbier von Sevilla“, Gildas Arie aus „Rigoletto“), trat aber auch mit der extrovertierten Sopranarie aus Bernsteins „Candide“ hervor.
Lob für Gesangssolisten
Jessica Pratt beeindruckte neben Zerlina und Donna Elvira vor allem mit den großen Koloraturarien der italienischen Oper („Die Puritaner“, „Lucia di Lammermoor“). Die Vorträge waren stimmlich so gelungen, dass man Fragen der Interpretation kaum weiter zu behandeln braucht. Dass das Duett aus „Don Giovanni“ wenig verführerisch klang, braucht also weniger beanstandet zu werden. Vielmehr ist es angebracht, den vorzüglich ausgebildeten Gesangssolisten glänzende Karrieren zu prophezeien.
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