Duisburg: Filmwoche: Entschleunigter Auftakt
VON PETER KLUCKEN - zuletzt aktualisiert: 03.11.2009 - 14:22Duisburg (RPO). Am späten Montagabend startete die Duisburger Filmwoche mit der Produktion „Ruhr” des amerikanischen Kult-Regisseurs James Benning, der eine ganze Stunde lang nichts anderes als einen Kühlturm in Schwelgern zeigt.
Duisburgs Kulturdezernent Karl Janssen verbreitete zum Auftakt der Duisburger Filmwoche Optimismus: „Duisburg ist Dokumentarfilmstadt” und die Duisburger Filmwoche sei eine kulturpolitische Investition, die sich lohnt und Gewinn bringt. Unter dem Beifall des mit Dokumentarfilm-Autoren, Journalisten von Presse, Funk und Fernsehen sowie anderen Interessierten vollbesetzten Filmforums, warnte Janssen davor, angesichts der Wirtschaftskrise an den falschen Stellen zu sparen. Er hoffe, dass der neue Stadtrat der Filmwoche auch künftig die Treue hält.Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff blies ins selbe Horn.
Der Staatssekretär für Kultur des Landes Nordrhein-Westfalen nannte die Duisburger Filmwoche einen „festen Bestandteil des Kulturprogramms des Landes”. Er wolle sich dafür einsetzen, dass dies so bleibt. Zugleich wies Grosse-Brockhoff darauf hin, dass das Land den Kulturhaushalt für 2010 um 20 Prozent erhöht habe, im Vergleich zu diesem Jahr.
Programmüberischt
Ein Favorit für einen der Festival-Preise steht am Mittwoch um 20 Uhr auf dem Programm: Thomas Heises 166-minütige Dokumentation „Material”, bei denen der vielfach preisgekrönte Filmautor und -Professor Videoaufnahmen aus der Zeit vor und nach der Wende auf, wie man hört, grandiose Weise komponiert hat.
Er hoffe, dass nach Ende des Kulturhauptstadtjahrs diese positive Tendenz aufrecht erhalten werden könne. Der Kulturstaatssekretär lobte Festivalleiter Werner Ruzicka, der die politische Dimension der Filmwoche nicht vernachlässige. Und er lobte den guten dokumentarischen Film schlechthin, der ein Gegengewicht zur Bilderflut bilden könne.
Grosse-Brockhoff zitierte aus Untersuchungen, nach denen amerikanische Kinder nicht mehr in der Lage seien, länger als acht Sekunden eine Filmsequenz konzentriert zu betrachten. Das sei erschreckend.Gewiss ohne es zu wollen, gab Grosse-Brockhoff damit das Stichwort zum Auftaktfilm der diesjährigen Filmwoche: Als Uraufführung wurde die Produktion „Ruhr” des us-amerikanischen Kultregisseurs James Benning (Jahrgang 1942) gezeigt, der erstmals außerhalb von Amerika gedreht hatte.
Um Benning und seinen Film zu erleben, waren zahlreiche Filmhochschul-Dozenten und -Studenten nach Duisburg gereist. Um dem Andrang gerecht zu werden, wurde der Film parallel im großen und kleinen Saal des Filmforums gezeigt.Aber Benning, der zum ersten Mal moderne Digitaltechnik nutzte, macht es seinen Zuschauern mit „Ruhr” nicht leicht. Der Regisseur, der bekannt dafür ist, dass er mit minutenlangen Kameraeinstellungen arbeitet, trieb es diesmal gewissermaßen auf die Spitze.
Der zweistündige Film besteht nur aus einer Handvoll von Kameraeinstellungen, wobei der zweite, 60-minütige Teil eine einzige Einstellung ist, die den Kühlturm in Schwelgern zeigt, der in regelmäßigen Minutenabständen ganz unter Wasserdampf verschwindet. Das Ganze sah man mehrfach wiederholt.Die Zen-ähnliche Ruhe, die in dieser Schule des Sehens und Hörens zu finden sein soll, übertrug sich auf einen großen Teil des Publikums nicht im Gegenteil. „Weitermachen!”, rief eine Zuschauerin einmal halb belustigt, halb genervt. Andere stimmten mit den Füßen ab und gingen. Einen derart „entschleunigten Auftakt” der Filmwoche gab‘s noch nie.
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