Duisburg: Frachtbriefe sind längst passé
VON MIKE MICHEL - zuletzt aktualisiert: 22.08.2007Duisburg (RPO). Das Leben von Detlef Ahrens wird von der Bahn bestimmt. „Wenn das Wetter schlechter wird, höre ich zu Hause die Bahn. Wenn es besser wird, höre ich die Autobahn“, sagt der junge Mann aus Bissingheim. Sein Arbeitsplatz ist das KundenServiceZentrum (KSZ) der Railion an der Masurenallee. Hier wickeln insgesamt 1217 Mitarbeiter den Güterverkehr für Kunden in ganz Deutschland ab. Früher erledigten das 132 Güterverkehrszentren im ganzen Land, seit 1998 wird alles zentral über das KSZ gesteuert. Detlef Ahrens sorgt für freie Fahrt. Nicht nur auf seiner Krawatte, auf der – natürlich – Bahngleise und eine alte Lok zu sehen sind. Ahrens ist für „Eskalationen“ zuständig und teilt den Zügen unterschiedliche Prioritäten zu. Das hat insbesondere bei der Versorgung von Kraftwerken, Tanklagern und Raffinerien große Bedeutung. Ahrens behält dabei stets die Nerven, und auch unvorhergesehene Störungen wie der Orkan Kyrill oder der Lokführerstreik werfen ihn als versierten „Trouble shooter“ nicht aus der Bahn.
„Zur Railion gehören halt weitaus mehr als nur ein paar Lokführer“, erläutert der Leiter des KSZ, Jens Küter. Rund 3,2 Millionen Güterwagenbestellungen werden hier jährlich abgewickelt, rund 200 000 Transportaufträge monatlich abgewickelt. Ein Großteil des jährlichen Umsatzes von rund 3,6 Milliarden Euro entfällt auf den Montanbereich. Zu den Kunden gehören auch Branchenriesen wie ThyssenKrupp und Arcelor. Rund 40 000 von bundesweit 88 000 Güterwagen stehen für Brammen und Coils zur Verfügung.
Rund um die Uhr
Gearbeitet wird bei Railion 365 Tage im Jahr, und das rund um die Uhr. Dabei sind die Zeiten von Frachtbriefen mit vier Durchschlägen längst passé. Ein Großteil der Aufträge kommt übers Telefon oder auf elektronischem Wege. Anschließend spielt auch das so genannte „Tracking und Tracing“ eine wichtige Rolle: Per Internet können die Kunden verfolgen, wo sich ihr Zug oder ihr Waggon gerade befindet und wann mit dem Eintreffen zu rechnen ist. Jan Detgen ist für den Bereich Automobile zuständig und betreut auch das Reklamationsmanagement. Von rund 55 000 Anfragen im Monat werden rund ein Prozent von den Kunden moniert – eine gute Quote, wie KSZ-Leiter Küter findet. Man bemühe sich, die Umlaufzeiten der Züge zu verringern und durch Investitionen die Güterwagenkapazität zu steigern. Dabei spielt der grenzüberschreitende Verkehr eine immer größere Rolle: Knapp die Hälfte des Umsatzes wird im europäischen Ausland erzielt.
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