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  Foto: dapd, APN
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Tote bei der Loveparade: Fragen und Antworten zum Unglück

zuletzt aktualisiert: 26.07.2010 - 06:13

Tote bei der Loveparade (RPO). Nach der Katastrophe stellen sich viele Fragen – angefangen von den Gegebenheiten auf dem Loveparade-Gelände über den Hilfseinsatz von Polizei, Feuerwehr und Seelsorgern bis hin zu dem Betreuungsangebot, das für traumatisierte Besucher des Festivals eingerichtet wurde.

Wie kam es zu dem Unglück?

Gegen 17.30 Uhr wurde das Festival-Areal geschlossen, weil nach Angaben der Veranstalter eine Überfüllung drohte. Die ankommenden Besucher wurden aufgefordert umzukehren. Zugleich strömten jedoch immer neue Besucher in den Tunnel. So prallten in dem engen Eingangsbereich Menschen, die auf das Gelände strebten, auf Loveparade-Besucher, die die Veranstaltung verlassen wollten. Die Ausgangsrampe war noch geschlossen. So versuchten die Besucher über den Eingangsbereich das Gelände zu verlassen.

Wo ereignete sich die Katastrophe?

Bei dem 240 000 Quadratmeter großen Gelände handelt es sich um das Areal des früheren, seit zwei Jahrzehnten nicht mehr genutzten Güterbahnhofs in der Duisburger Innenstadt. Bei der Loveparade fuhren 16 Wagen immer wieder im Kreis um die Hallen in der Mitte des Güterbahnhofs. Das Gelände liegt zwischen der Autobahn 59 und Bahngleisen nahe dem Duisburger Hauptbahnhof. Die Besucherströme wurden vom Hauptbahnhof in zwei Richtungen abgeleitet und um das Areal herum zum Süden des Geländes geführt. Der einzige Ein- und Ausgang lag dort.

Warum wurde der Eingang zur Todesfalle?

Die Hauptzugangsstraße (Karl-Lehr-Straße) verläuft in diesem Abschnitt durch mehrere Unterführungen. Hinter einem Tunnel führte im rechten Winkel eine Rampe auf das Festival-Gelände. Dieser Tunnel ist 120 Meter lang und 20 Meter breit. Der Tunnel füllte sich mit Besuchern, und die Menschenmasse staute sich vor der abgesperrten Zugangsrampe. Panik brach aus.

Wer waren die Todessopfer?

Unter den 19 Todesopfern – 16 starben sofort am Unglücksort, drei erlagen in den Krankenhäusern ihren schweren Verletzungen – waren elf Frauen und acht Männer. Zwölf Todesopfer stammten aus Deutschland, darunter eine in Düsseldorf lebende Chinesin und ein 38-jähriger Mann aus Düsseldorf. Die anderen kamen aus Gelsenkirchen, Münster, Castrop-Rauxel, Bad Oeynhausen, Bielefeld, Mainz, Lünen, Hamm, Bremen, Steinfurt und Osnabrück. Die sieben Ausländer kamen aus Australien, den Niederlanden, Italien, Bosnien-Herzegowina und Spanien.

Wie wurden die Verletzten behandelt?

Die 342 Verletzten erhielten nach der Erstversorgung am Unglücksort in den umliegenden Krankenhäusern medizinische Versorgung. Die meisten Schwerverletzten wurden in die nahe beim Unglücksort gelegenen Wedau-Kliniken transportiert.

Wie viele Einsatzkräfte stellte die Polizei bereit?

Laut Innenministerium waren 5500 Ordnungskräfte (Polizei, Feuerwehren) im Einsatz, darunter befanden sich 1200 Angehörige der Bundespolizei. Allein 15 Feuerwehr-Züge kamen aus Düsseldorf.

Wie wurde den Betroffenen geholfen?

Hundert Notfallhelfer von Rettungsdiensten und Kirche kümmerten sich um Verletzte, Geschockte, Angehörige. Die Evangelische Kirche im Rheinland, die allein 50 Hilfskräfte stellte, sprach von einem der größten Notfallseelsorge-Einsätze in Deutschland. Teilweise kümmerten sich die Helfer auch um geschockte Einsatzkräfte, die erkennen mussten, dass sie wegen der Enge am Unglücksort dort niemanden mehr herausholen konnten.

Welche Betreuungsangebote gibt es für Traumatisierte?

Die Polizei gibt folgende Telefonnummer bekannt: 0201 /8298091; E-Mail-Adresse: betreuungsangebot.loveparade@polizei.nrw.de.

Warum kein sofortiger Abbruch der Veranstaltung?

Der Krisenstab der Stadt Duisburg hatte aus Sicherheitsgründen schnell entschieden, die Massenveranstaltung nicht abrupt zu beenden. Man fürchtete offenbar weitere Panikreaktionen. Notausgänge jedoch wurden geöffnet. Erst gegen Mitternacht war offiziell Schluss der Veranstaltung.

Wie sah das Verkehrskonzept der Bahn aus?

Bis zu dem Unglück hatte das Konzept der Bahn gut funktioniert. Es wurden Hunderte Nahverkehrszüge zusätzlich eingesetzt und bis 15.30 Uhr wurden laut einem Bahnsprecher weit mehr als 100 000 Besucher nach Duisburg gebracht. Ab 16 Uhr änderte sich die Lage allerdings. Zu diesem Zeitpunkt musste der Zugverkehr erstmals unterbrochen werden, weil Besucher der Loveparade auf den Gleisen liefen. Daraufhin kam es rund um Duisburg zu massiven Verspätungen und Ausfällen bei den Zügen.

Wie sah die Lage nach dem Unglück am Duisburger Hauptbahnhof aus?

Laut einem Bahnsprecher gab es keinen unerwarteten Massenandrang am Bahnhof. Trotzdem warteten auf dem Vorplatz am Samstagabend Hunderte Raver, weil die Bundespolizei und Sicherheitspersonal die Zugänge abgesperrt hatten.

Warum wurde der Hauptbahnhof gesperrt?

Zwischen 20 und 21 Uhr musste der Bahnhof geschlossen werden, weil Besucher Zäune umgerissen hatten, die auf die Gleise gefallen waren. "Insgesamt mussten wir den Zugverkehr an diesem Nachmittag zehn Mal unterbrechen", sagte ein Bahnsprecher. "In fast allen Fällen hatten Loveparade-Besucher versucht, über die Gleise auf das Festival-Gelände zu gelangen." Meistens seien die Sperrungen nach einer Stunde wieder aufgehoben worden. Allerdings habe man die Menschen nicht mehr wie geplant im Minutentakt wegbringen können.

Wie kamen die Besucher der LoveParade nach Hause?

Erst am späten Samstagabend lief der Zugverkehr in Duisburg wieder langsam an. Die Bahn hatte zudem 150 Ersatzbusse am Bahnhof bereitgestellt, um Besucher wegzufahren. Bis 2.30 Uhr waren laut dem Bahnsprecher alle Loveparade-Gäste abtransportiert. Der Hauptbahnhof war wegen der Loveparade am Samstag aufgeteilt worden: Auf der einen Seite fuhren nur Züge in Richtung Süden über Düsseldorf, auf der anderen die Bahnen in Richtung Nord-Osten, also Dortmund, Essen und Emmerich. Während der Zugverkehr Richtung Düsseldorf relativ gut funktionierte, gab es Probleme mit den Shuttle-Bussen, die Besucher zu dem Eingang brachten, wo die Züge Richtung Dortmund, Essen und Emmerich abfuhren. Die Busse blieben in Duisburg stecken, weil eine Straße gesperrt wurde.

Warum erfuhren viele Besucher erst lange nach Ausbruch der Katastrophe Genaueres?

Im Norden des Veranstaltungs-Geländes dröhnte noch lange die Techno-Musik aus den Wagen; bis dorthin hatte sich die Nachricht von den Toten und Verletzten im Südteil des Geländes erst einmal nicht herumgesprochen. Viele Besucher entschieden sich nach eigenen Angaben außerdem, weiter zu feiern, weil es ihnen lange Zeit sowieso nicht möglich gewesen wäre, den Platz zu verlassen.

Warum schafften viele Mobiltelefone keine Verbindung?

Viele Menschen erfuhren zunächst gerüchteweise von dem Geschehen im Tunnel und versuchten vergebens, zu Hause anzurufen. Umgekehrt bemühten sich Angehörige, die durch Medien über das Unglück informiert waren, um Kontakt. Die Handynetze waren – wie auch die Erfahrung am Silvesterabend und bei anderen Katastrophen europaweit lehrt – total überlastet, weil es fast gleichzeitig und hunderttausendfach mobiltelefonische Kontaktversuche gab. Derzeit gibt es noch keine Möglichkeit, diese Schwachstelle im Handynetz zu beheben.

Quelle: RP

 
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