Duisburg: "Frau ohne Schatten": Großes Kino in der Oper
VON INGO HODDICK - zuletzt aktualisiert: 29.11.2010Duisburg (RPO). Der Jubel war groß, als die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf/Duisburg jetzt endlich nach gut zwei Jahren ihre Produktion der Oper "Die Frau ohne Schatten" von Hugo von Hofmannsthal (Text) und Richard Strauss (Musik) in ihr Duisburger Haus übernahm. Das monumentale Werk hatte hier jetzt eine ideale Besetzung gefunden.
Aber der Reihe nach. Das Stück "lässt sich verstehen als eine Allegorie über die Suche nach menschlichem Glück und die Erkenntnis, dass das Glück sich nicht manipulieren lässt", so fasst es der Dramaturg Luc Joosten im Programmheft zusammen. Und der Regisseur Guy Joosten ergänzt: "Die Figuren verstehen, dass sie ihren Traum oder die Utopie nur dann erreichen können, wenn sie sich mit der Realität, mit den Schattenseiten auseinander setzen und wenn sie sich auf eine andere Person einlassen."
Die ungemein schwere Aufgabe, dieses extrem vielschichtige und teilweise sogar widersprüchliche Werk verständlich auf die Bühne zu bringen, hat die Joosten-Inszenierung gut gelöst. Dabei hat vieles geholfen. Vor allem natürlich die prächtige und zugleich sehr bildhafte Musik von Richard Strauss. Dann die großartige Ausstattung von Johannes Leiacker, das faszinierend raffinierte Bühnenbild zeigt eine riesige schwarze Treppe ins Nichts, in deren Hohlraum sich die Färberhöhle schmiegt, die Drehbühne schafft immer neue Zugänge und Einblicke in diese beiden Parallelwelten, die sich immer mehr annähern. Auch die Übertitel helfen. Wir sehen Menschen, die vom letzten Krieg an Leib und Seele verletzt sind. Am Ende lässt der Regisseur die vier Protagonisten entseelt zu Boden sinken - das Zeitalter der Utopien ist für ihn offenbar vorbei.
Solch eine Riesen-Menge erstklassiger Sänger, wie sie hier verlangt wird, findet man nur noch selten, aber an der Rheinoper. Allen voran Mezzosopran Susan MacLean als perfekte Verkörperung der schillernden Schlüsselfigur der Amme. Erwähnt werden muss zumindest noch Roberto Saccà als Kaiser mit seinem glasklar strahlenden Tenor.
Die Duisburger Philharmoniker entdecken die schier unendliche Klangfarbenvielfalt dieser Oper ganz neu, einschließlich Glasharmonika. Rheinopern-GMD Axel Kober als Dirigent zeigte ihnen und damit uns als Publikum, wie genau er sämtliche Kniffe und Pointen dieser Mega-Partitur kennt.
Das muss man erlebt haben. Die vierstündigen Vorstellungen beginnen jeweils um 18.30 Uhr. Nächste Aufführung am Sonntag, 4. Dezember, dann noch dreimal bis zum 26. Dezember. Karten unter Tel. 0203 / 3009-100.






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