Duisburg: Frische, Freude und Verdruss
VON ANNIKA MATHEIS - zuletzt aktualisiert: 05.05.2007Duisburg (RPO). Der Baerler Wochenmarkt feierte gestern Premiere. Die Bürger freute es, sie bekamen frische Waren direkt um die Ecke. Einigen Geschäftsleuten ist das bunte Treiben jedoch ein Dorn im Auge, sie fürchten Umsatzeinbußen.
Die Sonne strahlt, doch so recht konnte sich Sven Maxheim nicht über das Wetter freuen. Erst recht nicht über das, was sich direkt vor seinem Laden abspielt. Für das bunte Marktreiben hat der Baerler Friseur und Chef vom „Maxheim-Team“ bei der Premiere des Baerler Wochenmarktes nur ein Kopfschütteln übrig. „Freitag ist unser umsatzstärkster Tag, da haben wir am meisten zu tun.“
Und nun wurde die Augustastraße gesperrt. Parken direkt vor dem Salon sei für seine Kunden ein Ding der Unmöglichkeit. Als Werbe-Plattform für seine Haarkunst sieht er den neuen Baerler Wochenmarkt ganz und gar nicht. Obwohl er prinzipiell nichts gegen einen Markt in Baerl hat. Nur der Standort ist für ihn ist einfach nicht günstig gewählt.
Markttag
Bei der Eröffnung gestern gab es für die kleinen Besucher Kinderschminken, Sackhüpfen und Glücksrad-Spaß. Die großen Besucher konnten bei einem kühlen Getränk dem Markttreiben zusehen.
Der Wochenmarkt in Baerl wird jeden Freitag, in der Zeit von 14 Uhr bis 18 Uhr stattfinden.
SMD-Chef Peter Joppa sieht das anders. „Der Wochenmarkt holt ja eigentlich die Besucherfrequenz an die Augustastraße“. Eine Umfrage unter Baerler Bürgern hatte gezeigt: Sie wollen einen Markt, brauchen ihn sogar (beispielsweise wegen eines fehlenden Lebensmittelmarktes) und würden die Möglichkeit, frische Waren unmittelbar vor der Haustür zu kaufen, gerne nutzen.
„Einfach fantastisch“
Eine von ihnen ist Katharina Giesen. Am Blumenstand von Helga Hartendorf, einer Blumenhändlerin aus Baerl, kauft sie noch schnell einen Bund gelbe Rosen, fürs Wochenende. „Ich finde es einfach fantastisch, dass es endlich einen Markt in Baerl gibt. Ich bin heute extra nicht zum Markt nach Moers gefahren“, erzählt sie. Sonst macht sie das regelmäßig, freut sich jetzt aber, dass sie das Auto gegen das Fahrrad tauschen kann.
Auch Helga Weide muss nur einmal um die Ecke, um zur Frische zu gelangen. „Ich habe heute auch extra noch nicht eingekauft“, erzählt sie. Wurst und Käse braucht sie noch, vielleicht gibt es auch Spargel, auf jeden Fall aber auch noch frische Blumen.
Den Spargel verkauft übrigens Annegret Süßer an einem kleinen Stand, mit viel Herz und Spaß, wie sie gerne betont. Für jeden Kunden hat sie das passende Spargelrezept, gibt Tipps zum Garen und zur Haltbarkeit. Das weiße und grüne Gold vom Niederrhein läuft gut an diesem Markttag, vielleicht liegt es auch an der Verkäuferin.
Insgesamt zwölf Stände laden an diesem Markttag zum Bummeln, Kaufen und Probieren ein. Das Angebot ist vielfältig und reichhaltig. Das Projekt „Baerler Wochenmarkt“ ist zunächst auf sechs Monate angesetzt. Sechs Monate zur Probe sozusagen. Sven Maxheimer und seine Mitstreiter von der benachbarten Reinigung und dem Getränkemarkt müssen also ihren Ärger herunterschlucken. Einige Anwohner ebenfalls, die nicht müde wurden, ihre Autos mitten auf der gesperrten Straße hin und her zu bewegen.
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