Duisburg: Fröhlich frieren beim Finale
VON INGO HODDICK - zuletzt aktualisiert: 19.12.2010 - 15:04Mit einem Finale an vier Orten ging das Jahr der Kulturhauptstadt Ruhr 2010 am vergangenen Wochenende zu Ende, für Duisburg war es der Innenhafen am Museum Küppersmühle. Die wenigen, aber lautstarken Anti-Sauerland-Demonstranten blieben in gebührender Entfernung, so konnte unter der Autobahnbrücke eine würdige Feier im Schatten der Loveparade-Katastrophe ablaufen.
Dezent, aber hoffnungsfroh blieben die „Erinnerungselemente“. Auf dem halb zugefrorenen Innenhafen schwamm ein Floß mit Kerzen und mit Rettungsfolie – da ließ sich sowohl an das Gedenken an die Opfer der Loveparade denken als auch an das kommende Weihnachtsfest. Am anderen Ende des ehemaligen Hafenbeckens, in Höhe des Hafenforums, leuchteten zwei gelbe Ballons der „SchachtZeichen“.
Höhepunkt des Abends unter freiem Himmel war die Performance „Ithaka“ des renommierten Regisseurs Johannes Lepper. Der bekannte Sprecher Christian Brückner saß dabei in einer Kabine hoch über der letzten Querung des Innenhafens und las mit der von ihm gewohnten Klarheit zwei kurze Stücke großer Literatur. Zum einen ein Kunstmärchen von Hermann Hesse mit der Quintessenz, dass Krieg schlimmer ist als Katastrophen und dass beides nur mit angemessenem Gedenken bewältigt werden kann. Zum anderen jene kurze Passage aus Homers „Odyssee“, in der Odysseus berichtet, dass ihm ein Seher voraussagte, dass er erst wieder zu Hause – eben in Ithaka – sein wird, wenn jemand das Ruder des Irrfahrers für eine Schaufel hält.
Dazu steuerte das 15-köpfige Tim Isfort Orchester eine eigens komponierte, spannungsvolle und auch mal drastisch bildhafte Musik bei, die sich am Ende in dem Choral „Trost der Welt“ entspannt. Angenehm sparsam, aber immer wieder überraschend: die Lichteffekte von Jan Wagner und Matthias Neuenhofer, die sich vor allem auf das Museum Küppersmühle und seinen zukünftigen Erweiterungsbau bezogen, der noch unfertig daneben auf der Erde steht.
Die angestrebte „Entschleunigung“ gelang. Doch bei Schnee und Eis am Boden sowie Minusgraden waren die flotten Rhythmen zuvor und hernach sowie die angebotenen warmen Lebensmittel auch wieder willkommen. Gut 1000 Besucher froren fröhlich.
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