Duisburg: Furtwängler im Gespräch
zuletzt aktualisiert: 11.12.2009 - 16:00Duisburg (RPO). Die Produktionsfirma hat mit Maria Furtwängler, der Hauptdarstellerin des Films, ein Interview geführt und unserer Redaktion zur Verfügung gestellt.
Hat sich während der Arbeit auch ein persönliches Anliegen entwickelt?
Maria Furtwänger Ja, auf jeden Fall. Ich merkte, dass ich unter Umständen vielen Frauen, vielen Familien aus der Zeit durch diese Geschichte ein Gesicht geben könnte. Ursula Heye hat dem Begriff "Heimatfront" ein Gesicht gegeben. Ich versuche, für die jetzige Generation spürbar zu machen, wie nachhaltig der Krieg Biografien bricht, wie weit die Folgen des Krieges reichen und dass die Wunden von Ursula Heyes Generation bis in unsere Zeit hinein wirken."
Verändert es die Herangehensweise, wenn die Figur, die man darstellt, tatsächlich gelebt hat?
Furtwängler Ich hatte das Buch von Uwe-Karsten Heye vor etwa zwei Jahren gelesen und fand dieses singuläre historische Schicksal sehr interessant. Als ich es jetzt wieder las, bekam diese Geschichte noch viel mehr Gewicht, das Bewusstsein: Diese Frau gab es wirklich. Am Anfang der Arbeit stand ein gewisses Sichentfernen, um sich die Figur erst einmal anzueignen. Dabei hatte ich zunächst das Gefühl, sie steht mir im Weg, aber jetzt, wo die Nähe hergestellt ist, kommt mir alles, was sie erlebt hat, unendlich vertraut vor. Es entsteht eine viel größere Nähe als zu einer fiktiven Figur.
Inwiefern unterscheiden sich die Frauen damals von modernen, selbständigen Frauen heute?
Furtwänger Ganz grundsätzlich, weil sie diesen unendlichen Schrecken, das Grauen des Krieges und die folgende Entwurzelung erfahren haben. Davon haben wir alle überhaupt keine Ahnung. Je länger ich mich damit beschäftige, desto mehr wird mir bewusst, was für ein Glück ich habe, in einer Zeit ohne Krieg groß geworden zu sein und zu leben. Die Frauen damals wurden nicht gefragt, ob sie selbständig sein oder sich selbst verwirklichen wollten. Sie mussten diese Rolle annehmen, und das haben sie wahrhaft gut gemacht.
Was für eine Figur ist Ursula Heye - welches Schicksal widerfährt ihr und wie geht sie damit um?
Furtwängler Es ist ein spannender Bogen, der da über 20 Jahre beschrieben wird. Jahre, in denen man die Figur zunächst als junge Frau erlebt, die sich an ihrer Liebe freut und darin aufgeht. Mit großer Naivität erlebt sie die erste Zeit des Nationalsozialismus. Dann bricht die schaurige Wirklichkeit des Krieges auch in ihr Leben ein.
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