Duisburg: Fußmarsch zur großen Liebe
VON SANDRA KAISER - zuletzt aktualisiert: 10.01.2008Duisburg (RPO). Isi und Karl Gerber haben gestern ihre Eiserne Hochzeit gefeiert und dabei viel erzählt. So hat er nach dem Krieg 160 Kilometer zu Fuß zurückgelegt, um bei ihr zu sein. Und gestritten haben sie sich noch nie, beteuern beide.
Als Bürgermeister Manfred Osenger Isi und Karl Gerber gestern den obligatorischen Blumenstrauß mit den Glückwünschen der Stadt überreichte, war die 83-Jährige voller Bewunderung: „So einen tollen Strauß hatten wir bei unserer Hochzeit nicht!“ Der Zweite Weltkrieg, erzählte sie, sei damals in vollem Gange gewesen. Die Zeiten seien doch völlig andere gewesen.
Weihnachten 1941 war es, als die beiden sich kennen lernten. Die Berlinerin Isi, gerade einmal 18 Jahre alt, besuchte einen Bekannten an einer Flakstellung. Und dort traf sie auf Karl. Der gebürtige Duisburger war als Soldat in Berlin stationiert. „Ich habe sie gefragt, ob sie mit mir ausgehen will, und sie sagte ja“, erinnert sich der 86-Jährige. Einmal in der Woche hatte er einen halben Tag frei, und an einem solchen trafen sich die zwei in einem Restaurant am Potsdamer Platz.
Kleine Schreinerei
Im Jahre 1883 gründete der Schreinermeister Carl Gerber eine Schreinerei am Burgplatz. Das Haus wurde abgerissen, eine neue Werkstatt neben dem alten Mercator-Haus an der Gymnasialstraße errichtet. 1886 wurde sie von Sohn Karl, Karl Gerbers Vater, übernommen.
In Halle Särge gebaut
„Ein Jahr später waren wir verheiratet“, sagt Isi Gerber lächelnd. Ihren Eltern sei das alles zwar ein wenig schnell gegangen. Außerdem war sie erst 19, er 22 Jahre alt. „Doch wir haben uns durchgesetzt. Karls Eltern waren beide verstorben, und es war Krieg“, sagt Isi Gerber. „Wir konnten und wollten gar nicht anders.“
Im Dezember 1944 kam ihr erster Sohn Karl-Heinz zur Welt. Nach Kriegsschluss – ihr Ehemann war in Gefangenschaft – zog Isi mit ihrem Sohn zu den Großeltern in Halle an der Saale. „Karl kam wenige Monate später zu Fuß von Berlin nach Halle – 160 Kilometer. Das mus man sich mal vorstellen“, betont Isi. Zusammen lebten sie dort bis Januar 1946. Karl, der in Berlin seine Meisterprüfung als Tischler gemachte hatte, arbeitete in einer Schreinerei. „Ich habe dort Särge gebaut“, erzählt er schmunzelnd.
Doch er wollte wieder zurück nach Duisburg, denn er hing an seiner Geburtsstadt. Außerdem hatte seine Familie hier eine Schreinerei besessen. „Die war im Krieg zwar völlig ausgebrannt, aber der Name Gerber war noch immer ein Begriff“, erklärt Karl Gerber. Und so machten er und Isi sich auf nach Duisburg. Das Familiengrundstück wurde verkauft, mit 500 Reichsmark in der Tasche richteten sich die beiden in einem ausgebrannten Haus an der Obermauerstraße (heutiger Kuhlenwall) ein. „Wir hatten ein Zimmer zum Wohnen und eins als provisorische Werkstatt“, berichtet Gerber. Beide arbeiteten hart in dieser Zeit und bauten sich nach und nach eine Existenz auf.
Firma wurde immer größer
1971 schließlich wich die Familie auf das heutige Gelände „Auf der Höhe“ aus. Das heutige Familienunternehmen umfasst die Schreinerei Gerber und den Messe- und Ladenbau Expofair, der in der ganzen Welt tätig ist. 80 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen. Die Geschäfte führen die beiden Söhne Christian (geboren 1950) und Karl-Heinz. „Doch Isi und Karl arbeiten immer noch mit“, sagt Enkelin Denise, die bei Expofair als Werbekauffrau und Grafikdesignerin tätig ist. „Mein Opa ist immer noch jeden Tag in der Schreinerei und hat alles fest im Blick“, beteuert sie.
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