Duisburg: Futter für die Feinschmecker
VON HILDEGARD CHUDOBBA - zuletzt aktualisiert: 18.07.2011Duisburg (RP). Im Duisburger Zoo gibt es viele hungrige Mäuler, die täglich gestopft werden müssen. Zum Teil bekommt der Zoo Futter geschenkt. Doch in manchen Fällen muss er es auch aufwendig herbeischaffen und teuer bezahlen.
Rund 2500 hungrige Esser warten tagtäglich im Zoo auf ihr Futter – vom Fleischfresser über den Vegetarier bis hin zum Körnchenpicker. Die meisten wollen täglich einen gefüllten Fressnapf und dazu auch noch das eine oder andere Leckerchen zwischendurch. Um die Tonnen an Lebensmitteln heranzuschaffen, bedarf es eines großen logistischen Aufwands.
Eukalyptus aus den Staaten
Die Koalas beispielsweise sind absolute Feinschmecker, auch wenn sie alles andere als Eukalyptusblätter (17 verschiedenen Sorten werden im Zoo verfüttert) verschmähen. Wenn sie nicht gerade schlafen – und das tun sie bis zu 20 Stunden am Tag – kauen sie auf dem frischen Grün, das für kein anders Tier verdaulich, ja sogar giftig ist. Es stammt von Plantagen in den USA und wird regelmäßig eingeflogen.
Das Futter muss der Zoo bezahlen, seinen Transport dank der Air Berlin nicht. Sollten mal Umstände dazu führen, dass kein Nachschub in Duisburg ankommt, so bedeutet dies nicht, dass die Koalas hungern müssen. Zum einen liegt immer Eukalyptus für mehrere Tage auf Lager, zum zweiten pflanzt der Zoo auf landwirtschaftlichen Flächen am Kaiserberg selber mehrere Eukalyptusarten an. "Und wenn alle Stricke reißen, dann können wir auf Hilfe von anderen europäischen Zoos bauen, die Koalas haben", sagt Zoodirektor Achim Winkler.
Vielfresser
Die genügsamsten Esser im Zoo sind Schlangen und Krokodile, die nicht täglich, sondern im Abstand von oft mehreren Wochen gefüttert werden müssen.
Am meisten Futter heranschaffen müssen die Pfleger der Elefanten. 200 Kilo vorwiegend Heu, Gemüse und Brot pro Tag benötigt so ein Dickhäuter.
Am kostenintensivsten ist die Verpflegung der Koalas sowie der Delfine, wohingegen die Mengen an rohem Fleisch, die die Löwen verputzen, nicht ganz so sehr zu Buche schlagen. Es stammt fast ausschließlich vom Schlachthof und ist, weil Güteklasse II (für den menschlichen Verzehr wird ausschließlich die Güteklasse I verwendet), für einen günstigen Preis zu bekommen.
Fisch aus Grönland
Ähnlich aufwendig ist die Futterbeschaffung für Robben, Seelöwen, Pinguine und Delfine. Die Salzwasserfische, die sie fressen, stammen überwiegend aus den Meeren rund um Grönland. Denn beim Nordseefisch beispielsweise wäre die Gefahr zu große, dass er Schadstoffe enthält. 100 Tonnen tiefgekühlter Fisch pro Jahr müssen herangeschafft, bezahlt und in speziellen Tiefkühlhäusern gelagert werden.
Da ist die Ernährung der Vegetarier schon preiswerter. Was in Lebensmittelmärkten und auf dem Großmarkt in Duisburg und Umgebung aussortiert wird, weil es tags darauf an die Kunden nicht mehr verkauft werden könnte, landet nicht auf dem Müll, sondern im Laderaum des Zoo-Futterbusses. Ob Gemüse oder Obst –"die Ware ist immer einwandfrei und frisch", so Winkler. Verwelkte Salatblätter oder angefaultes Obst könne man den empfindlichen Tieren eh nicht anbieten.
Der Futterbus fährt täglich eine festgelegte Route ab und sammelt die Waren ein. Zu denen zählen auch Milchprodukte, die in Supermärkten aus den Regalen aussortiert werden, weil das Mindesthaltbarkeitsdatum naht. So gerne der eine oder andere Zoobesucher mal einen zuckersüßen Becher Joghurt leer schlecken würde, Milchprodukte werden nur sehr sorgfältig dosiert verfüttert. "Denn die Tiere würden ansonsten zu dick und bekämen schlechte Zähne", weiß Achim Winkler.
Quark aus dem Supermarkt
Aber ein Esslöffel Quark zusammen mit anderen Zutaten zu einem Futter vermischt – da wird die (sowieso lange) Zunge des Ameisenbärs noch länger.
Er gehört im Zoo zu den Tieren, die sich mit Ersatznahrung zufriedengeben müssen. Denn anders als in freier Natur bekommt er keine Ameisen zu fressen, weil diese geschützt sind. Da lebende Säugetiere nach deutschem Gesetz nicht verfüttert werden dürfen, bezieht der Duisburger Zoo die benötigten Mäuse, Ratten und auch Meerschweinchen, die beispielsweise an die Raubvögel oder an kleinere Raubtiere verfüttert werden, als Tiefkühlkost, die aufgetaut dann im Tiermagen landet.
Lediglich bei den Schlangen wird eine Ausnahme gemacht. Sie fressen in der Regel kein Aas oder nehmen auch keine bereits toten Tiere zu sich. Werden sie gefüttert, dann wird das Publikum so lange ausgesperrt.
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