Duisburg: Gabriel im Kino
VON MIKE MICHEL - zuletzt aktualisiert: 01.05.2010Duisburg (RPO). Mit Sigmar Gabriel (SPD) und Oskar Lafontaine (Linke) hatten die beiden Parteien gestern fast zeitgleich ihre Bundesvorsitzenden im Landtagswahlkampf in Duisburg zu Gast.
Das Filmforum ist nicht nur das erste deutsche kommunale Kino, sondern auch das am besten besuchte. Darauf wies Kai Gottlob, 2,04 Meter großer Chef des filmforums, gestern bereits in der Einleitung der hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion zur "Kommunalen Kulturpolitik in Zeiten leerer Kassen" hin. Im Vergleich zum hoch aufgeschossenen Film-Experten konnte Sigmar Gabriel dagegen nur klein und gedrungen wirken. Der SPD-Chef schrieb jovial ein paar Autogramme, besah sich die Filmplakate am Eingang, insbesondere das von "Wickie und die starken Männer", und plauderte im Filmsaal munter drauf los – so wie man ihn aus zahllosen Fernseh-Talkshows kennt.
Rot-rot-grüne Rettung
Der zur Einführung gezeigte Stummfilm aus Duisburg von 1929, vom renommierten Stummfilmpianisten Joachim Bärenz wunderbar begleitet, war weitaus unterhaltsamer als die anschließend von Fernseh-Urgestein Reinhard Münchenhagen moderierte Diskussion. Das lag vor allem daran, dass die Teilnehmer Josef Krings, Udo Vohl und Ralf Jäger (alle SPD) und der aus Essen stammende Schauspieler Heinrich Schafmeister ("Der bewegte Mann", "Wilsberg", Comedian Harmonists") erwartungsgemäß einer Meinung waren. Josef Krings betonte, dass die Zusammenarbeit von Sozialdemokraten, Grünen und Linken bei der Haushaltsberatung im Rat die Rettung des filmforums und der Niederrheinischen Musikschule erst möglich gemacht habe. Applaus bekam Krings vom Publikum im halbvollen Filmsaal für die Bemerkung, dass es früher in Duisburg 26 Lichtspieltheater gegeben habe. Inzwischen gebe es nur noch ein Großkino – und ein "richtiges" Kino. Das ginge nur, wenn eine Stadt wie Duisburg dafür auch Geld ausgebe. Sigmar Gabriel sieht dafür nur eine Chance: "Der Steuergeschenke-Wahnsinn der FDP muss gestoppt werden. Sonst kommt bei den Kommunen nicht genug an." Heinrich Schafmeister erklärte, er sei momentan arbeitslos, weil das Geld für Kultur fehle – auch beim TV. Er kritisierte das Programm: "Guckt Euch den Scheiß doch mal an!"
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