Duisburg: Geballte Kompetenz für Kinder
VON NILS HERRMANN - zuletzt aktualisiert: 03.06.2008Duisburg (RPO). In Homberg eröffnete die erste Interdisziplinäre Frühförderstelle in Duisburg. Sie hilft Kindern mit Behinderungen oder Entwicklungsauffälligkeiten. Diagnostik, Therapie und Beratung sind unter einem Dach zusammengefasst.
homberg Für Eltern, deren Kinder sich in den ersten Monaten nach der Geburt nicht „normal“ entwickelten, war das Sozialpädiatrische Zentrum im Malteser Krankenhaus St. Anna eine bekannte Adresse. Wusste der Kinderarzt des Vertrauens nicht weiter, so übergab er die kleinen Patienten zur Diagnose ihrer Leiden häufig in die Obhut der Experten. Stand die Ursache der Entwicklungsstörung fest, kümmerten sich die Betreuer der „Lebenshilfe Heilpädagogische Sozialdienste“ in ihrer Frühförderstelle in Wanheimerort oft um die Therapie der Kinder. Eine Zusammenarbeit zwischen beiden Kompetenzzentren gab es schon lange – ab sofort erfolgt sie nicht mehr nur räumlich getrennt sondern auch unter einem Dach, in der ersten Duisburger „Interdisziplinären Frühförderstelle“ (IFF) für Kleinkinder bis zum Schulalter, an der Ruhrorter Straße 13 in Homberg, direkt neben dem ebenfalls von den Maltesern betriebenen St.-Johannes-Stift.
Von der Stadt gefördert
Die Interdisziplinäre Frühförderstelle geht auf eine Initiative des Gesetzgebers zurück, eine spezielle Frühförderung für Kinder mit Entwicklungsstörungen oder Behinderungen zu schaffen. Die Stadt Duisburg übernimmt rund 60 Prozent der jährlichen Kosten. Kontakt: Tel. 02066 29-0.
„Immerhin fünf bis sieben Prozent aller Kinder haben Entwicklungsprobleme“, gibt Dr. Donald Becker, Chefarzt des Sozialpädiatrischen Zentrums und ärztlicher Leiter der neuen Frühförderstelle vor deren Eröffnung zu bedenken. Früh diagnostizieren und früh therapieren seien daher unabdingbar. Um dies zu erreichen arbeiten ein Kinderarzt, ein Ohrenarzt für Kinder (Pädaudiologe), ein Psychologe, Physiotherapeuten sowie Moto- und Logopäden des Sozialpädiatrischen Zentrums mit vier Heilpädagogen der Lebenshilfe zusammen. „Dadurch ersparen wir den Betroffenen lange Wegstrecken“, erklärt Becker. Der Pädaudiologe sieht noch anderen Vorteile in der Bündelung verschiedener Fachbereiche. Die Ursachen für Entwicklungsstörungen bei Kindern seien vielfältig, eine eindeutige Diagnose nicht immer einfach. Wenn ein Kind nicht sprechen lernen wolle, könnte es sein, dass es schwerhörig ist, so Becker. In diesem Fall sei der Hals-, Nasen-, Ohrenarzt gefragt. Aber auch das soziale Umfeld und die Eltern können negativ auf Kinder einwirken. Um dies zu erkennen, sei die fachliche Beurteilung eines Psychologe vonnöten. Außerdem müsse man die Eltern mit in die Therapie einbinden und im Umgang mit ihrem Kind beraten. „Durch die disziplinübergreifende Vernetzung haben wir die Chance unsere Arbeit zu optimieren“, betont der Mediziner.
Dem pflichtet Petra Heß, heilpädagogische Leiterin der IFF, bei. Den therapeutischen Teil in Form von Betreuung und Förderung der Kinder fällt in ihren Aufgabenbereich. „Jetzt kommt es nur darauf an, dass die Kinderärzte Frühförderungs-Verordnungen ausstellen“, fügt Heß hinzu. Ohne die Überweisung des behandelnden Arztes könne die Einrichtung die Therapie der Patienten nicht übernehmen. Bis zu 150 Kinder könne man pro Jahr behandeln.
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