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Duisburg: Gedenktafel zur Erinnerung an Loveparade-Unglück enthüllt

zuletzt aktualisiert: 04.09.2010 - 16:56

Eine Gedenktafel erinnert seit Samstag an die Loveparade-Katastrophe in Duisburg vor sechs Wochen. Am Ort des Unglücks wurde auf Initiative mehrerer Bürgerstiftungen eine schlichte Bronzetafel mit der Aufschrift "Duisburg gedenkt der Opfer der Loveparade - 24. Juli 2010" enthüllt.

Zwei Helfer füllen einen Glaskubus mit Trauergaben aus dem Unglückstunnel. Foto: ddp, ddp

Das Kerzenmeer im Tunnel an der Unglücksstelle der Loveparade verschwindet, Trauer und Betroffenheit aber bleiben in Duisburg. "Wenn in Duisburg auch mittelfristig wieder Normalität einkehren wird, so wird das hingegen hier an diesem Ort und der näheren Umgebung so schnell sicher nicht passieren", sagt Haimo Rudatsch. Der 41-Jährige ist gerade dabei, sämtliche Kerzen, die auf dem Bürgersteig im Tunnel stehen, in eine weiße Kiste zu räumen. Genau wie einige andere ist er am Samstag gekommen, um den Bürgerkreis Gedenken bei den Aufräumarbeiten an der Karl-Lehr-Straße zu unterstützen.

Sechs Wochen nach dem Loveparade-Unglück mit 21 Toten und über 500 Verletzten endet nach kirchlichem Verständnis die offizielle Trauerzeit. Der Bürgerkreis Gedenken enthüllt eine Bronze-Tafel an der Brückenmauer vor dem Rampenzugang mit der Aufschrift: "Duisburg gedenkt der Opfer der Loveparade 24. Juli 2010". Zudem hatte die Initiative die Bevölkerung dazu aufgerufen, die Trauergaben zu sammeln und diese in den großen Glaskubus an der Ostseite des Tunnels zu bringen.

"Ich möchte damit meine persönliche Anteilnahme zum Ausdruck bringen", sagt Rudatsch. Er wohnt unweit des Unglücksortes entfernt, in Neudorf. Er wollte auch zur Loveparade, zur Abschlusskundgebung. "Wir haben zum Glück erst zu Abend gegessen, wollten danach erst los." Dann habe er auch schon Hubschrauber gehört, die schreckliche Nachricht im Fernsehen gesehen. "Ich kenne den Tunnel, weil ich oft hier durchfahre", erzählt der Duisburger. Als düster und eng habe er ihn immer schon empfunden. Doch als er wenige Tage nach dem Unglück erneut in dem Tunnel steht, bekommen diese Attribute noch mal eine ganz andere Qualität. "Es war sehr bedrückend und ergreifend wegen der enormen Anteilnahme, der Wut und wegen der Masse an Trauergaben." Doch eben jene schwinden an diesem Samstag so langsam.

In unzähligen weißen Kisten liegen Kerzen, Bilder, Karten, Stofftiere. Mitglieder des Bürgerkreises, ebenso Betroffene und Angehörige tragen sie zu dem gläsernen Kasten auf der Wiese am östlichen Tunnelausgang. Mehr und mehr füllt sich der Kubus. Fotos der Verstorbenen sind von außen deutlich sichtbar. "Ein Stück weit ist das für mich hier Aufarbeitung", erklärt Rudatsch. Es sei die aktive Anteilnahme daran, dass die Erinnerung an die Geschehnisse, an die Opfer geordnet aufbewahrt werde. "Das ist kein Wegräumen." Auch Karl Janssen, Sprecher des Bürgerkreises Gedenken und Kulturdezernent, spricht von einer "würdevollen und angemessenen Atmosphäre", die doch viele auch an diesem Tag wieder übermannt.

Eine Frau fährt weinend auf dem Fahrrad durch den Tunnel. Fünf junge Frauen sitzen auf dem Bordstein mit dem Blick zur Rampe, sie schweigen, nehmen sich gegenseitig in den Arm. "Ich habe Glück gehabt, ich bin vorher umgekehrt", sagt ein Mann, der das alles immer noch nicht fassen kann. Inmitten dieser Szene der Trauer erklingen Trommelschläge, die durch Mark und Bein fahren. "Das ist unfassbar", sagt Georg Guth aus Gelsenkirchen. Sein 25-jähriger Sohn sei bei der Loveparade gewesen. "Ich wollte mir heute mal ein Bild von der Örtlichkeit machen,", erzählt er. "Das kann doch nicht wahr sein", murmelt er, als er auf die Rampe blickt.

Bei den Bewohnern der Wegnerstraße hingegen richtet sich der Blick direkt auf den Glaskubus. "Uns hat bei der Wahl, wo er aufgestellt wird, keiner informiert oder mit einbezogen", moniert Hans-Josef Vengels. Die Trauerzeit sei jetzt offiziell beendet, jedoch nicht für sie. "Wir wollen das Ganze auch endlich verarbeiten, doch nun gucken wir ständig auf den Kubus, der abends auch noch beleuchtet ist." Die Bewohner befürchten nun eine Verlagerung der Trauer, die sie selbst nicht zur Ruhe kommen lasse. Vor Ort suchen sie deshalb das Gespräch mit Innenminister Ralf Jäger (SPD), der zusagt, das Anliegen an die Stadt Duisburg weiterzuleiten.

Quelle: AFP/ddp

 
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