Duisburg: Geschäft mit Beigeschmack
VON MARTIN VAN DER PÜTTEN - zuletzt aktualisiert: 26.01.2012Duisburg (RP). Der Homberger Hundeverein muss sein Gelände räumen. Am Kauf interessiert sind die Eltern des Homberger SPD-Chefs Mahmut Özdemir. Würde die Grünfläche als Bauland umgewidmet, wäre sie 1100 Prozent wertvoller.
Ihr 90-jähriges Bestehen im nächsten Jahr wird die Ortsgruppe Homberg des Vereins für Deutsche Schäferhunde wohl nicht mehr auf ihrem 6900 Quadratmeter großen Übungsplatz an der Rheinpreußenstraße in Hochheide feiern. Nach rund 50 Jahren an diesem Standort kündigte die Grundstückseigentümerin RWE Dea den Pachtvertrag.
Für Verein zu teuer
Dass das Unternehmen das Gelände veräußern wollte, war für den Hundeverein nicht neu – schließlich war es ihm schon 2006 für 70 000 Euro zum Kauf angeboten worden. Im vorigen Jahr räumte die RWE Dea dem Pächter mündlich noch einmal ein Vorkaufsrecht ein – dieses Mal wegen der gestiegenen Grundstückspreise für 100 000 Euro. Der Verein lehnte ab. "Wir nehmen gerade einmal 750 Euro Mitgliedsbeitrag im Jahr ein, für uns sind solche Summen utopisch", begründet der Vereinsvorsitzende Heinz Hummel.
Als er dann aber erfuhr, an wen das Grundstück nun verkauft werden soll, staunte er nicht schlecht. Ausgerechnet die Familie Özdemir, deren Grundstück an den Hundeübungsplatz grenzt, wolle das Areal erwerben, wurde bei einem Gespräch zwischen dem Verein und RWE Dea offen beredet. Über Jahre hatten die Özdemirs mit Beschwerden an verschiedene Stellen vehement gegen den Hundeverein gewettert. Mahmut Özdemir, der mit seiner Familie in dem Haus wohnt, ist Vorsitzender der SPD Homberg.
Obwohl das Grundstück im Flächennutzungsplan als Grünfläche ausgewiesen ist, liegt der dem Verein angebotene Kaufpreis deutlich über dem Marktwert für landwirtschaftlich genutzte Flächen. In einem Gutachten aus dem Jahr 2005, das unserer Redaktion vorliegt, wird das mit der Lage des Grundstückes erklärt.
Dieses sei "im Außenbereich angesiedelt" und deshalb als "begünstigtes Agrarland anzusehen", für das wiederum "das 2,5-fache des Bodenwertes für landwirtschaftliche Flächen in Ansatz gebracht" werde, heißt es in diesem Papier. "Durch eine politische Entscheidung der Bezirksvertretung bzw. des Stadtrates kann eine Bebauung des Grundstückes genehmigt werden", erläutert Bürgermeister Benno Lensdorf auf Anfrage der Redaktion. "Das Grundstück ist ein Spekulationsobjekt. So etwas kauft sich niemand, um dort ein paar Liegestühle aufzustellen", meint Klaus Radny, stellvertretender Bezirksbürgermeister, und ergänzt: "Außerdem ist das eine Sauerei, dass ein alteingesessener Verein von einem Lokalpolitiker vertrieben wird."
Nach dem Bodenrichtwert läge der Wert des Grundstückes als Bauland bei mindestens 1,1 Millionen Euro, was eine Steigerung von 1100 Prozent bedeuten würde. Mahmut Özdemir sagte dazu: "Ich habe mit der Sache nichts zu tun. Meine Eltern, die zur Zeit verreist sind, haben Interesse daran, das Grundstück zu erwerben und als Grünfläche weiter zu betreiben."
Die Zukunft des Hundevereins steht derweil in den Sternen. Zwar haben Lensdorf und Radny in Gesprächen mit der RWE Dea erreicht, dass der Konzern eine Ausgleichsfläche am Bruchweg anbietet, aber allein die Erschließung würde nach Schätzungen des Vereins eine fünfstellige Summe kosten, Geld, das der Verein nicht aufbringen kann.
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