Duisburg: Goethe als Vermittler zwischen den Kulturen
VON VANESSA PUDLO - zuletzt aktualisiert: 20.09.2010 - 08:18Duisburg (RPO). Unter dem Leitsatz "Sorgt doch, dass ihr die Welt verlassend nicht nur gut wart, sondern verlasst eine gute Welt!" aus Berthold Brechts Drama "Die heilige Johanna der Schlachthöfe" startet der Verein für Literatur und Kunst in die Saison 2010/2011 und greift damit zwei wichtige Aspekte der heutigen Gesellschaft auf: die Interkulturalität und die Toleranz gegenüber neuen Kulturen.
Den Auftakt des Programms bildete die Lesung zu Johann Wolfgang von Goethes "West-östlicher Divan", vorgetragen von Wolfang Hinze in der Zentralbibliothek.
Zwölf Bücher umfassend
Die zwölf Bücher umfassende Gedichtsammlung, die erstmals im Jahre 1819 erschienen ist, ist ein sehr eindrucksvoller Beweis für die Aktualität eines fast 200 Jahre alten Werkes. Goethe, der sich in Anbetracht der Napoleonischen Kriege eingeengt und innerlich zerstört fühlt, findet in den Werken des persischen Dichters Hafis neue Inspirationen und vertieft sich zunehmend in die orientalische Literatur.
Doch nicht nur die Dichtungen Hafis dienen ihm als Inspirationsquelle, auch die Liebe zu der verheirateten Marianne von Willemer trägt dazu bei, dass er die Liebesgedichte über Jussuf und Suleika, dem Liebespaar in seiner west-östlichen Liedersammlung, erweitert und sich schließlich, nachdem er die poetische Begabung Mariannes erkennt, auf eine Art Briefwechsel einlässt, in dem Marianne ihm als Suleika auf seine Dichtungen antwortet.
"Goethe hat sich den Orient mit all seinen Facetten für eine Zeit aufgehoben, die für ihn drückend und unerträglich erschien", so Wolfgang Hinze, der als renommierter Bühnenschauspieler an zahlreichen Inszenierungen der großen Schauspielhäuser Deutschlands mitwirkte.
Eine Auswahl an Gedichten und Briefwechseln zwischen Goethe und Marianne bot dem Publikum in der vorzüglichen eineinhalbstündigen Lesung einen kurzen, aber treffenden Einblick in das umfassende Werk Goethes. Die Gemeinsamkeiten zwischen damals und heute und somit auch die Aktualität dieses Werkes beschreibt Wolfgang Hinze durch ein "gemeinsames Suchen" und ein "gegenseitiges sein lassen".
Genau wie Goethe damals seien die Menschen heute, vor allem auch in Krisenzeiten, auf der Suche nach neuen Eindrücken und Erfahrungen. Eine solche Suche bedeutet jedoch auch, dass man Andersdenkenden den entsprechenden Respekt entgegenbringt, um ein friedliches Miteinander zu ermöglichen.
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