Duisburg: Große Klassen, wenig Lehrer
VON KATHARINA SCHMÜLLING - zuletzt aktualisiert: 19.11.2008Duisburg (RPO). Der Pisa-Ländervergleich offenbart: Die Schulen haben mit vielen Problemen zu kämpfen. Die RP hat bei Schulleitern weiterführender Schulformen nachgefragt, womit sie im Alltag zu kämpfen haben.
Das verhältnismäßig schlechte Abschneiden nordrhein-westfälischer Schüler bei Pisa überrascht an Duisburgs Schulen niemanden. Vor allem die Schulleiter der Gesamt-, Haupt- und Realschulen sind sich der Misere bewusst – und stecken dennoch in der Klemme.
Das drängendste Problem: Akuter Lehrermangel. „Wir sind landesweit nicht so mit Lehrern versorgt, dass wir vollen Unterricht erteilen können“, sagt Dirk Winkelmann, Chef der Theodor-König-Gesamtschule.
Oft müsse der Unterricht stattdessen von einer Vertretung gehalten werden. „Wenn aber beispielsweise ein Religionslehrer einen Englischlehrer vertreten muss, führt das natürlich zu einem Qualitätsverlust.“ An seiner Schule in Beeck haben 70 Prozent der Kinder einen Migrationshintergrund. Dem müsse mit erhöhter Förderung begegnet werden.
Pisa-Studie
Die Pisa-Studien sind Schulleistungsuntersuchungen auf internationaler Ebene und werden von der OECD (Programm zur internationalen Schülerbewertung) durchgeführt. Deutschland hat die Testkomponenten um einen Bundesländervergleich, den Pisa-E-Test erweitert. Für Pisa-E wurden zehn mal mehr Schüler getestet als für den internationalen Vergleich.
Auch der Leiter der Hauptschule Ludgerusstraße, Dr. Dietmar Bronder, kennt die Problematik: „In Chemie und Physik muss schon über die Hälfte der Stunden von Nicht-Fachkräften gehalten werden“, berichtet er aus der Praxis. Er fordert, „dass die Kinder, die am meisten Hilfe brauchen, weil sie oft aus schwierigen Verhältnissen kommen oder keine Eltern haben, die sich eine Nachhilfe leisten können, von den am besten ausgebildeten Lehrern unterrichtet werden“. Das Gegenteil sei allerdings oft der Fall. Der Lehrermangel eint alle Schulformen: Auch die Leiterin des Gertrud-Bäumer-Berufskollegs hat „Personalmangel“.
„Ich habe im kommenden Schuljahr 15 freie Stellen, bin aber froh, wenn ich sieben bis acht besetzt bekomme“, sagt auch Ulrich Tholuck, Schulleiter am Landfermann-Gymnasium. Um fehlende Lehrkräfte zu ersetzen, arbeiten immer öfter sogenannte „Quereinsteiger“ auch an Duisburgs Schulen. Jörg Claußen von der Karl-Lehr-Realschule kennt das. Auch an seiner Schule lehrt eine Landesbedienstete, die in den Schuldienst übernommen wurde.
„Sie arbeitet nach bestem Wissen und Gewissen und reibt sich auf. Aber es fehlt einfach die pädagogische Ausbildung“, sagt er. Gymnasiallehrer Tholuck hält von diesen Quereinsteiger nichts. „Es geht doch auch niemand mit Herzbeschwerden zu einem Zahnarzt mit kardiologischer Zusatzqualifikation“, versucht er zu erklären.
Auf Platz zwei der Sorgenliste der Lehrer stehen die großen Klassenverbände. 30 Kinder pro Klasse sind es an der Karl-Lehr Realschule, 28 bis 29 Schüler etwa an der Theodor-König-Gesamtschule. Einfach weniger aufzunehmen, ist keine Lösung, weiß Dirk Winkelmann. „Denn dann bekommen wir auch weniger Lehrer zugewiesen.“
Ulrich Tholuck vom Landfermann-Gymnasium beschäftigt sich kaum mit PISA. Das Ergebnis sei nicht durch die Gymnasien zustande gekommen, sagt er, denn diese hätten immer weit über dem Bundesdurchschnitt abgeschnitten. Was ihn und seine Schüler derzeit umtreibt, ist das Projekt G8, das an der Schule ein Jahr früher beginnt als im Durchschnitt.
„Im kommenden Jahr gehen 340 Schüler in die erste Stufe der gymnasialen Oberstufe, die reguläre zehnte und die neunte Klasse aus G8“, sagt er. Da bleibt noch viel zu regeln: Alle müssen mit Büchern versorgt und in den vorhandenen Räumen untergebracht werden.
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