Duisburg: Hauptschule ohne Zukunft
VON PETER KLUCKEN - zuletzt aktualisiert: 20.02.2010Duisburg (RPO). Schuldezernent Karl Janssen sagte am Freitag in der Schulausschuss-Sitzung voraus, dass es in Duisburg in sechs Jahren keine Hauptschulen mehr geben wird. Gefordert seien grundlegende Reformen des Landes. Niemand widersprach.
Die Schulpolitik dürfe kein Gegenstand von Parteiengezänk werden, sagte gestern Schuldezernent Karl Janssen in der Schulausschuss-Sitzung. Das Erstaunliche war, dass sich die Bürgervertreter daran weitgehend hielten. Das lag vor allem am Elternwillen.
Und der lässt sich nicht umdeuten: Die Eltern wollen die Schulform Hauptschule nicht mehr. Die Zahlen waren bereits bekannt: Von den insgesamt 4242 Anmeldungen von Grundschul-Absolventen auf weiterführende Schulen fielen nur 140 auf die Hautpschulen. Das sind nur 3,3 Prozent. Das Ergebnis sei "erschütternd und ernüchternd", sagte Janssen.
Obwohl die Hauptschulen in den vergangenen Jahren in Duisburg gestärkt worden seien und obwohl die Lehrer an diesen Schule gute, sogar oft auch hervorragende Arbeit leisteten, sei die Hauptschule ein Auslaufmodell. Und obwohl die Hauptschule besser als ihr Ruf sei, geht Janssen davon aus, dass es sie zum Schuljahr 2015/ 2016 nicht mehr geben werde.
Zwei Schließungen
Ohne größere Diskussionen beschloss der Schulausschuss mehrheitlich die Auflösung von zwei Hauptschulen. Betroffen ist dieGottfried-Könzgen-Schule (Innenstadt) und die Frankenschule in Walsum. Die Könzgen-Schule wird nach diesem Beschluss zum 1. August 2010 endgültig aufgelöst. Die Frankenschule soll ab dem 1. August schrittweise aufgelöst werden. Die endgültige Auflösung ist für das Schuljahr 2011/ 2012 vorgesehen.
Daran kann man auch nichts ändern, sagte Dr. Ernst Rösner vom Institut für Schulentwicklungsforschung an der Universität Dortmund. Der Trend gegen die Hauptschule sei bundesweit. Alle Initiativen, sie zu retten, seien gescheitert. Als Paradebeispiel gilt eine Hauptschule in Wermelskirchen, die 2001 zur besten Schule des Landes gekürt wurde und bei der dennoch die Schülerzahlen dahinschmolzen. Die Demographie (sinkende Geburtsraten) und das Schulwahlverhalten breche den Hauptschule das Genick, sagte Rösner.
Das liege nicht unbedingt am Ehrgeiz der Eltern. Rösner brachte ein schönes Beispiel: Der Sohn eines Kfz-Mechanikers könne nicht so ohne Weiteres beruflich in die Fußstapfen des Vaters treten. Aus dem Kfz-Mechaniker ist längst ein Mechatroniker geworden, der eine japanische Kurbelwelle mit Hilfe einer englischen Bedienungsanleitung in ein deutsches Auto bauen müsse. Da bevorzugen Ausbildungsbetriebe Lehrlinge mit höherem Schulabschluss.
Tendenziell sei es so, dass Eltern eine schlechte Realschule einer guten Hauptschule vorzögen. Und ein miserables Gymnasium erschiene den Eltern für ihre Kinder besser als eine erstklassige Realschule. Schulformen, bei denen zumindest perspektivisch das Abitur erreicht werden könne, seien am attraktivsten.
Die Mitglieder des Schulaussschusses sprachen sich mehrheitlich dafür aus, dass Dr. Ernst Rösner zusammen mit der Verwaltung einen Schulmodellversuch für einen Duisburger Stadtteil ausarbeiten soll. Welcher Stadtteil betroffen ist, muss noch festgelegt werden. Im Übrigen wurde die Hoffnung ausgesprochen, dass nach der Landtagswahl am 10. Mai die Weichen für eine grundlegende Reform neu gelegt werden.
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