Duisburg: Hélène Grimaud: Wahre Weltklasse
VON INGO HODDICK - zuletzt aktualisiert: 28.06.2012Duisburg (RP). Zum siebten Mal trat die außergewöhnliche französische Pianistin Hélène Grimaud jetzt beim Klavier-Festival Ruhr auf - und endlich zum ersten Mal in Duisburg, in der fast ganz gefüllten Philharmonie Mercatorhalle. Und wie nicht anders zu erwarten, wurde es ein ganz, ganz großes Ereignis.
Über Hélène Grimaud wird gesagt, für sie "bedeutet Musik grenzenlose Leidenschaft." Dass das weit mehr als eine Werbephrase ist, zeigte sich hier schon mit jener Sonate a-Moll KV 310 (300d), die Wolfgang Amadeus Mozart 1778 nach dem Tod der Mutter in Paris schrieb. Der Pianistin gelang das große Kunststück, die darin komponierte Raserei herüberzubringen, ohne sie nennenswert zu romantisieren. Das Programm des Abends war klug disponiert, denn in den beiden Konzert-Hälften folgte jeweils auf ein großes Meisterwerk ein kleineres, mit einem österreich-ungarischen roten Faden. Nach Mozart kam hier das überzeugend durchleuchtete Dickicht der Sonate Nr. 1 von Alban Berg. Da ist h-Moll vorgezeichnet - was allerdings allenfalls für die letzten beiden Takte zutrifft.
Nach der Pause dann die umfangreiche, einsätzige Sonate h-Moll von Franz Liszt. Selbst im vergangenen Liszt-Jahr 2011 zum 200. Geburtstag des Komponisten wurde diese Sonate selten so kongenial aufgeführt wie jetzt in der Mercatorhalle. Spätestens an diesem Punkt war klar, dass es gerade die vorzügliche und zuverlässige Spieltechnik ist, die es Hélène Grimaud ermöglicht, die Zügel schießen zu lassen. Die passende Abrundung waren da die Sechs Rumänischen Volkstänze von Béla Bartók.
So wünscht man sich einen Klavierabend: ausgewogen zwischen Herz und Hirn, leidenschaftlich ganz im Dienst der Musik. Da waren entsprechende Zugaben fällig, es wurden die Melodie von Christoph Willibald Gluck in der berühmt-berüchtigten Klavier-Bearbeitung von Scarpati und eine Etüde von Frédéric Chopin.
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