Duisburg: Helfer schenken Kranken ihre Zeit
VON SONJA BROWATZKI - zuletzt aktualisiert: 21.08.2012Duisburg (RP). Rund 30 ehrenamtliche Begleiter zählt das Team des ambulanten Hospizdienstes Bethesda. Nach einer professionellen Ausbildung begleiten diese schwer kranke Menschen durch ihre letzten Monate und Tage, haben ein offenes Ohr für sie und entlasten durch ihre Besuche die Familien.
Es gibt 80 000 Ehrenamtliche in Deutschland, die sich in 1200 Hospizvereinen engagieren. "In Duisburg gibt es gerade einmal drei dieser Vereine", erzählt Lars Gundtoft, Koordinator des ambulanten Hospizdienstes Bethesda. Völlig kostenlos begleiten sie Schwerkranke in ihren letzten Monaten, Wochen und Tagen durch wöchentliche Besuche, helfen durch Gespräche und verschenken eines der wertvollsten Güter der heutigen Gesellschaft: Zeit. Der Verein mit Sitz in der Innenstadt ist auch für Betroffene auf der linken Rheinseite aktiv und sucht vor allem im Duisburger Westen noch Unterstützung für das aktuell knapp 30-köpfige ehrenamtliche Team.
Gundtoft und sein Team leisten ambulante Begleitung und palliative Beratung von Schwerkranken und deren Angehörigen. Im Duisburger Westen bekommen sie den Kontakt in der Regel über Schwester Rosemarie Chiduch aus der onkologischen Ambulanz im Johanniter-Krankenhaus oder das PanDu (Palliativnetz Duisburg) in Friemersheim. "Manchmal melden sich aber auch die Angehörigen und in seltenen Fällen sogar der Betroffene selbst", erklärt Gundtoft.
"Um direkt mit einem der häufigsten Missverständnisse aufzuräumen: Unsere Helfer sind weder Haushaltshilfen, noch Pflegekräfte. Wir begleiten und helfen den Betroffenen, egal ob der schwer kranken Person selbst oder den Angehörigen, durch ein offenes Ohr", betont Koordinatorin Ute Glados. "Oft tut es einfach gut, wenn ein Fremder in den Haushalt kommt, der nicht immer nur über die Krankheit spricht, sondern wieder etwas frischen Wind reinbringt. Vielleicht dem pflegenden Angehörigen einmal einen Besuch mit einer Freundin ermöglicht, indem er selbst beim Betroffenen am Bett bleibt und mit ihm spricht."
Ein Geben und Nehmen
Anny Mohrmann war zur Vereinsgründung 2003 die erste Teilnehmerin, die den Kursus absolvierte. Seit 2004 begleitet sie Schwerkranke und hat dabei viel gelernt. "Die Begleitung ist ein Geben und Nehmen. Man bekommt für seine Zeit so viel zurück. Am Lebensende sieht das Leben anders aus, als in der Mitte", weiß die langjährige Begleiterin. Der Umstand, dass sie als Außenstehende in die Familie kommt, habe zudem schon oft dazu geführt, dass sie Dinge klären konnte, die lange unter der Oberfläche schwelten. "Eine Patientin hat mir einmal gesagt, wie dankbar sie ihren Kindern ist, dass diese sich so sehr um sie kümmerten, doch die wussten davon gar nichts. Sie konnte es ihnen einfach nicht persönlich sagen. Als ich einer Tochter davon erzählte, war sie zu Tränen gerührt", so Mohrmann.
Abschiednehmen lernen
Nach jedem Todesfall schreibt sie eine Karte und zündet in der Kirche eine Kerze an. "Alles, was schön ist, tut weh, es zu beenden", weiß Gundtoft. "Man muss das Loslassen lernen. Nicht nur bei den Betroffenen. Um Begleiter zu werden, braucht man die Bereitschaft, sich mit der eigenen Endlichkeit auseinanderzusetzen." Eine Aufgabe, bei der sich die Gruppenmitglieder gegenseitig unterstützen. "Wenn wir Ehrenamtlichen uns treffen, sind wir alles andere als traurig. Wir machen sehr lebensbejahende Sachen", bestätigt Mohrmann und erinnert sich an gemeinsame Grillabende.
Jetzt weiterlesen und die Rheinische Post testen.






dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.