Duisburg: Helge Schneider brach keinesweg „together“
VON FLORIAN SCHNEIDER - zuletzt aktualisiert: 03.11.2007Duisburg (RPO). „Papa, macht der auch Quatsch?“, fragt ein kleiner Junge seinen Vater in der ausverkauften Mercatorhalle, kurz bevor Helge Schneider die Bühne betritt, um in über zweieinhalb Stunden sein Improvisationstalent, sein musikalisches Genie und seinen feinfühligen Humor zu beweisen.
Denn Quatsch macht er, und zwar besonders guten: Da wäre unter anderem sein exzellent schlechtes Phantasie-Englisch, mit dem der Multiinstrumentalist Schneider den englischen Ausnahmeschlagzeuger Pete York anspricht, der ihn seit Jahren begleitet. Nicht ohne Grund nennt er seine Tour „I brake together“, was seiner Meinung nach „ich breche zusammen“ bedeuten soll.
Neben Pete York am Schlagzeug wird er von Bassist Rudi Contra und Gitarrist Sandro Giampetro begleitet, die er auch immer wieder in seine wundervoll kreativen Sketche mit einbezieht. So bedankt sich Helge nach einem gigantischen Schlagzeugsolo nicht bei York, sondern bei dem Bühnentechniker für „das eingespielte Playback“. Schneider selbst spielt im Laufe des Abends Klavier, Trompete, Saxophon, Block- und Panflöte und wechselt genauso oft Perücken, Hüte, Gummiglatze und seine Clownsnase. Seine Instrumente hat Schneider nach eigener Aussage versilbern lassen, da sie zuvor golden waren, er aber nicht mit seinem unglaublichen Reichtum angeben möchte.
Beiläufig erzählt er, dass er 1969 „auf Rollschuhen von Mülheim über die A3 und den nahen Osten nach China gelaufen“ sei. Dabei fallen ihm ständig neue Situationen ein, die er mit vollem Körpereinsatz darstellt. Wenn Helge Schneider, dessen Jackets immer einige Nummern zu klein sind, einen Exkurs über die gefährlichsten Lebewesen der Welt macht („es sind Kakteen“), um Sekunden später das Thema schlagartig zu wechseln, behält er immer den roten Faden und kommt zum Punkt, zur Pointe, zum nächsten Lied. So sind die Zuschauer nach der blühenden Vorgeschichte voller Vorfreude auf sein Lied „Die Trompeten von Mexiko“ – und werden nicht enttäuscht.
Oft greift er seriöse Themen, wie die Verblödung durch das Fernsehen oder fehlende Vorbilder im Sport auf und verpackt diese in Witze oder Kurzgeschichten, bei denen sich die Zuschauer auf den Stühlen kringeln. Auch seine Tanzeinlagen oder das Duett mit Udo Lindenberg, den Schneider perfekt imitiert, sind legendär.
Neben den drei Musikern begleiten ihn noch Sergej Gleithmann und Bodo Österling; Letzterer sei seit 16 Jahren sein Azubi.
Die grinsenden Gesichter der Zuschauer beim Verlassen der Halle sprachen für sich.
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