Duisburg: Horst Schimanski: (K)einer von uns ?
VON HILDEGARD CHUDOBBA - zuletzt aktualisiert: 10.09.2010 - 11:06Duisburg (RPO). Ein prügelnder Bulle, schlampig und den Alkohol liebend, fluchend und rabiat: "Tatort"-Kommissar Horst Schimanski (Götz George) amüsierte die bundesdeutsche Fernsehgemeinde.
Duisburgs größter Medienstar ist vermutlich (1938 oder war es 1948) in Ruhrort – oder war es in Bruckhausen? – zur Schule gegangen, dürfte mit Ach und Krach den Volksschulabschluss hingekriegt haben. Es liegt nahe, dass er sich dann ein Jahr durch das Leben getrunken und geprügelt hat, bevor er im letzten Moment doch noch die Kurve kriegte, irgendwie ein Abitur baute und nach der Polizeiausbildung schließlich Kommissar wurde. Seine aus Polen (oder war es Schlesien?) stammenden Eltern – Vater wahrscheinlich Kumpel, Mutter Hausfrau – müssen mächtig stolz auf ihren kleinen Horst gewesen sein. Doch das alles wissen wir nicht. Denn die Biografie dieses berühmten Duisburgers lässt sich nur bis 1981 zurückverfolgen.
2011 wieder am Start
29 Mal stand Götz George zwischen 1981 und 1991 im "Tatort" als Duisburger Kommissar vor der Kamera.
Nach zwei Schimi-Kinofilmen kehrte er 1997 als Privatermittler auf den Bildschirm zurück.
Voraussichtlich im kommenden Jahr wird die 16. Folge der Schimanski-Reihe ausgestrahlt.
Welch ein Skandal !
Damals ließ das "Tatort"-Drehbuch den bekannten Schauspieler Götz George erstmals in die schmuddelige graue Jacke von Kommissar Horst Schimanski schlüpfen und laut "Scheiße" in die Kamera rufen. Welch ein Skandal! Vor allem in Duisburg! Ein prügelnder Bulle, schlampig und versoffen, fluchend und rabiat, lebt quasi zwischen Müll und Ratten – was die bundesdeutsche Fernsehgemeinde amüsierte, machte die Duisburger zunächst fassungslos.
Sie hatten all dies nicht geahnt, als die Filmaufnahmen begannen. Sie hatten vielmehr davon geträumt, dass ihre Stadt bald im Tatort genau so fein abgebildet würde wie München bei "Derrick". Stattdessen kommt da ein ungehobelter Klotz mit unmöglichen Manieren! Aus der Stadt jagen wollten ihn die Duisburger, der Produktionsfirma verbieten, sich im Nachspann bei der Stadt für die Filmaufnahmen zu bedanken und, und, und . . .
Zehn Jahre lang prügelte sich "Schimi" durch die Tatorte. Doch nur begrenzt ins Herz schlossen ihn die Duisburger – auch wenn die Empörung kleiner wurde und der Erkenntnis Platz machte, dass der Mann ja eigentlich ein gutes Herz hat und recht witzig ist. Zumindest wusste seit dem ersten Schimi-Tatort jeder in Deutschland, dass Duisburg an Rhein und Ruhr liegt und das Herz auf der Kohlenschaufel trägt.
Jacke im Museum, aber keine Uni
Als Götz George 2001 nach einer Pause als Privatermittler "Schimanski" ins Fernsehen zurückkehrte, da war seine graue Kommissar-Jacke längst ins Kultur- und Stadthistorische Museum von Duisburg gewandert. Die Idee, die Duisburger Hochschule in Horst-Schimanski-Universität umzubenennen, war verworfen worden. Und weil es längst viel heftiger gegen jede Dienstvorschrift verstoßende Fernseh-Kommissare gab, hatte der Polizei-Pensionär auch sein anfängliches Alleinstellungsmerkmal verloren. Der Vergangenheit gehörten auch die früher dauernd auf den Straßen der Stadt zu sehenden Tatort-Filmteams an. Denn gedreht wurde jetzt überwiegend in Köln, und nur noch wenige Szenen vermittelten Lokalkolorit.
Und dass Schimi früher mal beim Drehen ganz volksverbunden gewesen sein soll, das wissen nur noch die alten Duisburger. Die anderen hingegen haben erfahren müssen, dass der Fernsehstar Götz George sich eher weniger kumpelhaft gibt – also vielleicht doch keiner von uns ist.
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