Duisburg: Hühnersuppe für Orang-Utan
VON PETER KLUCKEN - zuletzt aktualisiert: 09.10.2008Duisburg (RPO). Der Tierpark unterhält selber eine Landwirtschaft, wo Grünfutter und vor allem 3000 Eukalyptusbäume wachsen. 90 Prozent der Obst- und Gemüsesorten für die Tiere sind Spenden von Lebensmittelketten. Knödel für die Schweine.
Bei der Futterbeschaffung rechnet man am Kaiserberg nicht in Kilogramm, sondern in Kubikmetern. Tierpflegemeister Frank Chomik, Inspektor für Tierversorgung im Duisburger Zoo, zeigt auf einen mittelgroßen Lieferwagen. Dreimal täglich komme der vollbepackt mit Lebensmitteln für die Tiere auf den Wirtschaftshof. Das seien 15 Kubikmeter. Auf die Kinderfrage „Woher kommt das viele Futter?“ bekommt man interessante Antworten.
Zum Beispiel die, dass 90 Prozent der Obst- und Gemüsesorten, die im Wirtschaftshof des Zoos ankommen, Spenden von Lebensmittelketten sind. Das sei Ware, die einwandfrei ist, aber aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr verkauft werden kann, sagt Chomik. So mögen die meisten tierischen Früchteesser Obst am liebsten, wenn es nach menschlichem Ermessen überreif, aber noch nicht schlecht ist. Jedenfalls sieht das Obst und Gemüse im Zoo gut aus und riecht auch nicht verdorben. Wir haben’s getestet.
Ersatzkost
Während Koalas nur Eukalyptusblätter fressen, allerdings verschiedene Sorten, verträgt der Große Ameisenbär auch andere Kost als Ameisen und Kerbtiere. Im Duisburger Zoo bekommt er eine Mischung aus Hundekuchen, Katzenfutter, Hackfleisch, Joghurt, Quark, Heilerde und Honig, die mit ein wenig Wasser zu einem dickflüssigen Brei verrührt wird. Dem Ameisenbär schmeckt das offenbar.
Kontakte vor 15 Jahren geknüpft
Seit etwa 15 Jahren gibt es die Verbindung zwischen den Lebensmittelketten, die übrigens nicht genannt werden möchten, und dem Zoo. Zu Recht ist Frank Chomik stolz darauf, dass er selber die Kontakte damals geknüpft hat, die dem Zoo nachhaltig Zehntausende Euro an jährlichen Futterausgaben einsparen. Übrigens profitieren auch die Lebensmittelketten von dem „Deal“. Die müssen ihre Ware nicht mehr selber sortieren und verwerten. Das machen nun Zoo-Mitarbeiter. Übrigens liefern die Lebensmittelketten nicht nur kostenlos Obst, Gemüse und viele Brote („je älter desto besser für die Tiere“). Da kommen auch Krautsalat, Joghurt und Quark, Knödel und Fertigsuppen an. „Unsere Orang-Utans essen Hühnersuppe für ihr Leben gerne, allerdings kalt“, berichtet Chomik.
Fisch wird „rund“ verfüttert
Frischfleisch kauft der Zoo von einem auf Tiernahrung spezialisierten Metzger. Hier sei besonders mageres Fleisch mit Knochen gefragt. Das Fleisch, das Menschen mögen, sei viel fetter, auch wenn das Fett nicht sichtbar sei, sagt Chomik. Deshalb sei das Fleisch für die Zootiere vergleichsweise preiswert.
Wie übrigens auch der Fisch vergleichsweise preiswert ist, obwohl er im Eismeer gefischt wird und absolut schadstofffrei sein muss, da Delfine und Robben nichts anderes als Fisch fressen. Preiswert ist dieser Fisch, weil er „rund“ verfüttert wird, das heißt mit Innereien und Gräten. Fische für den menschlichen Verzehr müssen ausgenommen werden, bevor sie im Geschäft angeboten werden. Die Tiere benötigen indes die Innereien als Vitamingabe. „Das ist für sie so eine Art Salat“, sagt Chomik.
Seit einigen Jahren werden auf einem zehn Hektar Zoo-eigenen Areal neben Grünfutter auch 3000 Eukalyptusbäume gezogen. Mittlerweile können die fünf Duisburger Koalas, die täglich jeweils ein Kilogramm Eukalyptusblätter fressen, zu 70 Prozent von diesem Eukalyptus-Wäldchen ernährt werden. Den Rest liefert die LTU aus Florida. Der Transport wird gesponsert, die Blätter aber nicht.
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