Niederrhein: Hündin hütet vier Kaninchenbabys
VON CHRISTIAN SCHWERDTFEGER - zuletzt aktualisiert: 03.04.2010 - 15:20Labradorhündin Mira hat am Montag vier Kaninchenbabys „adoptiert”. Karin Sander, die Besitzerin von Mira, hat die vier kleinen Kaninchen bei Gartenarbeiten zufällig entdeckt. Die Hündin passt jetzt rührend auf die Kleinen auf.
Mira knurrt leise und wedelt aufgeregt mit ihrem Schwanz. Gerade hat sich eines ihrer „Jungen” auf Entdeckungsgstour durch das Wohnzimmer ihres Frauchen in Xanten begeben. Die sechseinhalbjährige Labradorhündin tapst sofort hinterher und stupst es behutsam zurück auf ihre Decke dann schnauft sie durch. Es ist eine sehr ungewöhnliche Mutterliebe: Denn Mira zieht seit einigen Tagen vier wilde Kaninchenbabys auf.
,„Sie hat das Quartett sofort angenommen und abgeleckt”, sagt Miras Frauchen Karin Sander (46). Bei Arbeiten im Garten ihres Freundes am vergangenen Montag in Borken-Weseke ist Karin Sander versehentlich in einen Kaninchenbau getreten. „Der Rasen hat plötzlich nachgegeben und ich stand mitten im Erdloch mit den vier Kaninchenbabys”, sagt die 46-Jährige. Die Augen noch verschlossen und bibbernd vor Kälte und Angst - so kauerten die Kaninchen in ihrem Bau. Von der Mutter der Kleinen sei nichts zu sehen gewesen. Einen Tag lang hat Karin Sander den Bau beobachtet und gehofft, dass die Mutter zu ihrem Nachwuchs zurückkehrt vergeblich, sie ließ sich nicht mehr blicken.
Dass Hunde artfremde Tiere adoptieren, klingt ungewöhnlich, ist es aber nicht. Denn das soll in der Natur häufiger vorkommen. Meist dann, wenn eine läufige Hündin nicht befruchtet werden kann. „In so einem Fall entwickelt die Hündin eine Art Scheinschwangerschaft, produziert Milch und entdeckt Muttergefühle auch für Junge anderer Tierarten”, erklärt Hundeexpertin Christian Lotz vom Tierheim Moers.
Mutterliebe auf den ersten Blick
Weil der Lebensgefährte von Karin Sander die vier Kaninchen nicht bei sich im Haus halten konnte, nahm die 46-Jährige sie kurzerhand mit in ihre Wohnung nach Xanten und zu Mira. Es sei Mutterliebe auf den ersten Blick gewesen, als die Labradordame die kleinen Kaninchen zum ersten Mal beschnupperte. Seitdem lässt sie ihre Kleinen nicht mehr aus den Augen. Mira hatte zuvor noch keine eigenen Welpen zur Welt gebracht. Milch kann sie ihren „Adoptivkindern” nicht geben, auch wenn die Kleinen immer wieder versuchen, an Miras Brustwarzen zu saugen. Stattdessen werden die Jungtiere mit Wasser verdünnter Dosenmilch aus einer Saugflasche gefüttert. Die Kaninchen seien kerngesund und würden sich prächtig entwickeln, sagt Sander. Wie lange Mira noch Adoptivmutter spielen darf, hängt davon ab, wie sich die Kaninchen entwickeln. „Es sind schließlich Wildtiere, die in einem Haus eigentlich nichts verloren haben”, weiß die 46-Jährige. „Wenn sie groß sind und immer noch nicht von Mira ablassen können, werden wir die kleine Familie aber natürlich nicht trennen.” Ansonsten wird sie die Kaninchen an qualifizierte Tierpfelger übergeben oder einfach freilassen.
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