Duisburg: Im Pfarrhaus niedergestochen
VON MARITA JÜNGST - zuletzt aktualisiert: 23.08.2007Duisburg (RPO). Vier Vertreter der katholischen Kirche mit denen der Bosnienbeauftrage des Caritasverbandes Duisburg, Heribert Hölz, zusammengearbeitet hat, sind in den vergangenen Jahren in Bosnien ermordet worden.
An der Wand hängen die Bilder des Pfarrers und der Ordensschwester, die 1995 von Serben ermordet wurden. Auf dem Boden, dort wo die beiden im Feuer starben, ist eine Glasplatte angebracht worden. Heribert Hölz, Bosnienbeauftragter des Caritasverbandes Duisburg, hat die inzwischen in einem Pfarrhaus nahe der Stadt Banja Luca in Bosnien eingerichtete Gedenkstätte für die beiden Opfer auf seiner vergangenen Reise besucht. Hölz kannte die beiden von seiner Arbeit ebenso wie zwei weitere Vertreter der katholischen Kirche, die nach dem Bürgerkrieg in Bosnien gewaltsam ums Leben kamen. „Das zeigt, dass dort immer noch keine Normalität herrscht“, sagt Hölz.
Der Pfarrer und die Ordensschwester wurden umgebracht, weil sie den von Serben beherrschten Ort nicht verlassen wollten. Es hatte zwei Warnungen gegeben. Im Mai 1995 hatten Unbekannte dem Pfarrer die Arme einer Christus-Figur vor die Tür gelegt. Die Arme hatten sie vom Korpus eines Kreuzes auf dem nahegelegenen Friedhofes abgesägt. Der Pfarrer reparierte das Kreuz, wenig später lagen die Arme wieder vor seiner Tür, zusätzlich die abgesägte Schädelplatte der Figur. Das war die letzte Warnung. Beim nächsten Mal schlossen die Täter den Pfarrer und die Ordensschwester im Pfarrhaus ein und zündeten es an. „Die Mörder“, sagt Hölz, „wurden nie gefasst.“
Am 30. September 1997 wurde die Ordensschwester Danka Jurcevic in Kakanj, einer von Moslems dominierten Stadt, erstochen. Mit ihr hatte Hölz eine Reihe von Patenschaften organisiert. Als er mit ihr über weitere Patenschaften sprechen wollte, erfuhr er von ihrem Tod. Der für ihn schlimmste Fall war die Ermordung des Pfarrers Kazimir Visaticki, „weil mich mit ihm eine enge Freundschaft verband“, sagt Hölz. Visaticki wurde am 17. November 2004 in seinem Pfarrhaus erstochen. „Er sollte noch im selben Jahr vor dem Haager Kriegsverbrecher Tribunal angehört werden. Er wusste wohl zu fiel“, nennt Hölz den vermutlichen Grund für die Tat. Mit dem Pfarrer hatte Hölz einen Kindergarten in Drvar aufgebaut und die dortige Schule wieder hergerichtet. Zudem hatte Hölz zahlreiche Lebensmittel nach Drvar transportiert, die der Pfarrer weiter verteilte. „Er war ein bescheidener Mann, der nicht unterzukriegen war“, sagt Hölz.
Der Täter wurde zwar gefasst, doch die Tat wurde als Raubmord dargestellt. „Obwohl es in einem Pfarrhaus gar nichts zu holen gibt.“ Heute, nur drei Jahre nach der Tat, sei der Mörder wieder auf freiem Fuß. Eine Tafel am Pfarrhaus erinnert nun an den Geistlichen, der viele Jahre nach dem offiziellen Ende des Bürgerkriegs aufgrund ethnischer Motive gewaltsam ums Leben kam.
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