Duisburg: Im Stahlwerk zu Hause
VON ANNIKA MATHEIS - zuletzt aktualisiert: 16.01.2007Duisburg (RPO). Der Vogel des Jahres 2007 fühlt sich nicht nur in Feld und Flur wohl, sondern auch vor eindrucksvoller Industriekulisse. Der Turmfalke ist seit Jahren bei HKM beheimatet, brütet sogar in einer versteckten Nische.
Es muss ein schönes Bild gewesen sein, das sich Ralf Faessen auf einem seiner Routine-Gänge über das Werksgelände der Hüttenwerke Krupp Mannesmann (HKM) eröffnete. In nahezu hundert Metern Höhe schwebte ein Turmfalke um einen Montagekran für Reparaturarbeiten, stieg weiter hinauf in die Lüfte um dann wieder pfeilschnell in die Tiefe zu jagen. Alles für den Nachwuchs, alles für die Familie.
Damals wusste Ralf Faessen noch nicht, dass er seinen Arbeitsplatz mit einem Gast teilt, dem nur sechs Monate später ganz besondere Ehre zuteil werden soll: Der Turmfalke wurde jetzt zum Vogel des Jahres 2007 gewählt. Warum der kleine Kerl sich ausgerechnet in einer Industriekulisse ein Dach über dem Kopf gesucht hat, ist Ralf Faessen nach wie vor ein Rätsel. Obwohl der Raubvogel schon als Dauergast auf der Hütte gilt. Ende der 90er Jahre wurden am Abgaskamin der Sinteranlage erstmals Turmfalken gesichtet. In luftiger Höhe boten sich anscheinend ideale Voraussetzungen für den Nachwuchs, so wurde kurzerhand aus dem Beutestand ein Nistplatz.
Allerdings: Arbeiten am Sinteranlagenkamin während einer Großreparatur ließen die Chancen auf eine ruhige Brutzeit ziemlich aussichtslos erscheinen. Ein neues Heim musste her. Und so kam es, dass die Turmfalken sich ein wirklich beschauliches Plätzchen suchten. Als ob sie es geahnt hätten, haben sie sich einen Rückzugsort gesucht, der so leicht nicht zu erblicken ist. „Ich habe das nur bemerkt und entdeckt, weil eines der Alttiere im Landeanflug war“, erinnert sich Ralf Faessen.
Der Leiter der Anlagenwirtschaft Roheisenerzeugung brauchte nicht lange, schnappte sich seine Kamera, um den Falken-Nachwuchs auf Polaroid zu bannen. „Das war schon etwas schwieriger, denn ich konnte nicht direkt an das Nest heran“, erzählt der 57-Jährige. Trotzdem aber gelangen ihm ein paar Fotos (siehe unten). Darauf ist unverkennbar der Falken-Nachwuchs zu sehen, der ganz mutig und vorwitzig in die Kamera blickt.
Den Unterschlupf gibt es auch heute noch, schließlich ist der Kran immer noch an Ort und Stelle. Der Nistplatz allerdings ist seit mehreren Monaten verwaist. Vielleicht wird zur Brutzeit im Sommer wieder Leben in die kleine Nische einkehren. „Noch vor wenigen Tagen hat ein Mitarbeiter einen Turmfalken fliegen sehen“, berichtet Faessen. Weiterhin ist also das Hüttenwerk das Revier der Raubvögel. Faessens einfache Erklärung: „Wenn sie keine Nahrung finden würden, wären sie ja gar nicht mehr hier:“
Bleibt nur zu hoffen, dass in ein paar Monaten die Nische wieder zum Nistplatz wird und die HKM-Turmfalken Nachwuchs bekommen.
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