Duisburg: In bester Schmidt-Manier
VON INGO HODDICK - zuletzt aktualisiert: 15.02.2010Duisburg (RPO). Die neue Produktion von Franz Lehárs Meisteroperette "Die lustige Witwe" feierte im Duisburger Haus der Rheinoper Premiere. Ein unterhaltsamer Abend, der auch musikalisch eine reine Freude war.
Mitgeklatscht wird an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf / Duisburg ja eher selten. Doch als jetzt die neue Produktion von Franz Lehárs Meisteroperette "Die lustige Witwe" in das Duisburger Haus der Rheinoper übernommen wurde, war das durchaus passend. Denn die "Witwenmacher" (so nannte sie ein Plakat) Christian Brey und Harald Schmidt hatten in ihrer Inszenierung das unterhaltende Genre bewusst und im besten Sinne beim Wort genommen.
Das gibt zunächst der Operette, was der Operette ist, ohne "Interpretation" und mit "Aktualisierung" nur in den satirischen Sprechtexten wie "In Pontevedro gibt es weniger treue Ehemänner als Minarette in der Schweiz" – und noch deftigeren Sprüchen, die hier nicht zitierfähig sind. Das kommt an und macht Spaß, vor allem da zumindest Peter Nikolaus Kante als Baron Mirko Zeta und Lutz Salzmann als sein womöglich noch trotteligerer Kanzlist Njegus wirklich witzig sind. Begriffe aus dem Operettentext wie "Staatsbankrott" sind uns ohnehin vertraut.
Termin morgen
Weitere Vorstellungen Bis Juli sind noch 15 Vorstellungen dieser Produktion in Duisburg angesetzt, die nächste gibt es am morgigen Dienstag, 16. Februar, um 19.30 Uhr.
Karten gibt es unter der Rufnummer 0203 940 77 77 oder im Opernshop an der Düsseldorfer Straße 5-7.
Das hat eine poppige Ausstattung und das führt uns in bester Harald-Schmidt-Manier vor, dass manches (nicht nur) in einer Operette einfach sinnfrei ist, zum Beispiel wenn der Chor plötzlich auf- und abtritt, einfach weil er an der Reihe ist.
Brillante Philharmoniker
Das ist aber auch musikalisch eine reine Freude, auch weil die Sänger – nicht verwunderlich an der Rheinoper – große Klasse sind, allen voran Christina Dietzsch als graziöse "lustige Witwe" Hanna Glawari und Gast Kay Stiefermann als "Anti-Heesters" in der Rolle des "aristokratischen Alkoholikers" Graf Danilo Danilowitsch.
Ein Muss wird dieser Abend vollends durch das, was die Duisburger Philharmoniker aus dem Orchestergraben hören lassen. Dort wird wirklich champagnisiert (wie es in Danilos Auftrittslied von seinem "Zuhause", dem Amüsierlokal "Maxim" heißt). Das prickelt und schäumt ohne Schlacken, das strömt und zischt, dass man süchtig danach wird.
Rheinopern-GMD Axel Kober, geboren ziemlich genau 100 Jahre nach Lehár, zeigt wieder einmal ein Händchen für das schwere "leichte" Genre.
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