Duisburg: In die dunkle Röhre geschaut
VON MARC SCHMITZ - zuletzt aktualisiert: 13.08.2007Duisburg (RPO). Die Emschergenossenschaft gab der Öffentlichkeit die Möglichkeit, sich vor Ort ein Bild von ihrer Arbeit zu machen. In Neumühl konnten die Bürger ein Teilstück des Abwassersammlers besichtigen, das bald die Entsorgungsarbeit der oberirdischen Emscher übernehmen soll.
Die Zeiten, in denen die Abwässer der Bevölkerung in oberirdischen Rinnsalen entsorgt wurden, sind seit dem Mittelalter vorbei – allerdings nicht überall. Mitten in der am stärksten bevölkerten Region Deutschlands übernimmt einen Teil dieser Funktion zwischen Dortmund und Duisburg derzeit noch die Emscher. Doch bald ist damit Schluss. Das geplagte Gewässer mit dem nicht ohne Grund schlechten Image wird durch unterirdische Kanalsysteme ersetzt und der ursprüngliche Flusslauf soll nach und nach renaturiert werden. Ein Teilstück dieses Mammut-Projektes in Neumühl steht bereits kurz vor der Fertigstellung. Die Betreibergesellschaft Emscherverband nahm dieses absehbare Etappenziel zum Anlass, sich der Bevölkerung zu präsentieren und den „Tag des offenen Kanals“ zu feiern.
Das Aus für die Kloake
Der oberirdische Abwasserweg in der begradigten Emscher-Betonspur von Dortmund bis zur Mündung bei Dinslaken soll nach und nach komplett verschwinden. Der erste Abschnitt der Renaturierung wurde in den 90er Jahren im Rahmen der Bundesgartenschau frei gegeben. Die Fertigstellung des kompletten Emscherkanals ist für 2014 geplant.
Für sieben Stunden öffnete die Baustelle ihre Gitter und ermöglichte interessierten Besuchern, die Durchschreitung des neuen Sammler-Teilstücks. So spektakulär wie etwa in den Jagdszenen des Filmklassikers „Der dritte Mann“ kommt die 260 Meter lange Betonröhre nicht daher, denn im Vergleich zu den gemauerten Labyrinthen der Wiener Unterwelt wirkt das runde Monstrum eher schlicht. „Wenn der Kanal erst mal im Betrieb ist, kommt dort unten außer dem Wartungspersonal niemand mehr rein“, weiß Silke Wilts, die Pressesprecherin der Emschergenossenschaft. Um den Gang durch die Röhre zum Erlebnis zu machen, haben die Veranstalter das Betonbauwerk mit bunten Lichtinstallationen und einer künstlichen Geräuschkulisse mit plätscherndem Wasser und akustischen Toilettenspülungen versehen.
Über sechs Kilometer
Was die Besucher zu sehen bekamen war jedoch nur ein kleiner Teil eines großen Projektes. „Insgesamt umfasst der Bauabschnitt eine Länge von über sechs Kilometern und führt dabei von Oberhausen-Buschhausen bis Fahrn. Die Kosten für den Bau belaufen sich insgesamt auf rund 48 Millionen Euro“, berichtet Projektingenieur Jens-Uwe Drews. Ein ellenlanges Betonbauwerk, das seinen jahrelangen Dienst freilich völlig unsichtbar verrichten wird. „Das ist auch der Hauptgrund, weshalb wir unsere Arbeit hier präsentieren“, so Silke Wilts.
2009 in Betrieb
Wichtig sei den Betreibern, dass die Anwohner zu sehen bekommen, weshalb sie in den vergangenen Monaten mit der Lärmbelästigung der Baustelle zu leben hatten. Zu spüren bekommen die Bürger die Vorzüge des neuen Sammlers allerdings erst im Jahr 2009, wenn er in Betrieb genommen wird. Die Renaturierung der parallel verlaufenden Emscher wird im darauf folgenden Jahr in Angriff genommen. Bis sich an der Emscher also wieder die die Fische tummeln und die Vögel sich zum Brüten im Schilf niederlassen, wird es noch einige Jahre dauern. Doch das Projekt, die müffelnde Abwasseraltlast vergangener Tage zu beseitigen, nimmt Stück für Stück Formen an.
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