Auch Vermisstenmeldungen über Twitter: Internetgemeinde trauert nach Loveparade
zuletzt aktualisiert: 25.07.2010 - 10:35Berlin (RPO). Der Tod von mindestens 19 Menschen bei der Loveparade hat am Samstag Trauer und Bestürzung auch in der Internetgemeinde ausgelöst. Allein der Mikroblog Twitter verzeichnete am Abend schon nahezu 100 neue Kurzmitteilungen im Minutentakt zu der Katastrophe bei dem Techno-Fest in Duisburg.
Neben Beileidsbekundungen an Angehörige der Opfer nutzten auch viele Menschen Twitter, um verzweifelte Vermisstenmeldungen zu verbreiten und so Gewissheit über das Schicksal von Töchtern, Söhnen oder Freunden zu erlangen.
In das Mitgefühl für die Betroffenen mischte sich bei Vielen auch Zorn auf die Veranstalter des Großereignisses. "Angeblich alles durchgespielt, aber nicht daran gedacht, dass Leute irgendwo hochklettern könnten", kritisierte eine Nutzerin. "Ich kann nicht nachvollziehen, warum noch cirka 70.000 feiern", schrieb eine Andere kurz vor Mitternacht.
Einige User des Internets hatten schon Tage vor Beginn des Events vor den "Sicherheitsvorkehrungen" gewarnt. So hatte " Lover__P" schon am Donnerstag bemängelt, dass das Gelände nicht für eine solche Menschenmasse ausgelegt sei und die Pläne der Stadt als "gefährliche Frechheit" bezeichnet. Der Kommentator " klotsche, 22.07.2010 um 17:08" hatte ebenfalls schon am Donnerstag in einem Beitrag vor Toten gewarnt: der Tunnel sei eine "Falle".
Auch im Internet-Gästebuch der WDR-Jugendwelle 1Live machten Hörer ihrem Ärger Luft. "Dieser Tunnel konnte für alle ersichtlich nicht funktionieren! Schon gar nicht in beide Richtungen gleichzeitig!!!!", hieß es dort. "In jeder Dorfdisco sind Ein- und Ausgang voneinander getrennt." Ähnlich sah es ein anderer Hörer, der deshalb neben den Veranstaltern auch Stadt und Polizei in der Verantwortung sah. "Ich habe jahrelang im Rettungsdienst gearbeitet und es ist noch nie zu einer solchen Panik gekommen. Selbst bei Rock am Ring, wo zwar weniger Menschen sind, reicht ein Eingang nicht aus", schrieb der 26-Jährige.
Videos auf Youtube
Auch auf dem Videoportal Youtube fanden sich schon in der Nacht Videos von Augenzeugen. Der User "deepkisses" zeigt in seinem Video, wie wenig Platz die Menschen in dem Engpass hatten und wie klein Treppenaufgänge waren. "SpaceCommander77" wiederum hält seine Kamera in die Masse, die in den Tunnel drängt. "AndreundSvenni" haben in ihrem Video festgehalten, wie die Menschen die Zäune gestürmt haben.
Auch die Stars der Loveparade äußerten sich per Internet. Der französische DJ David Guetta hatte wegen des Unglücks seinen Auftritt auf der Hauptbühne abgesagt. "Was heute geschehen ist, ist herzzerreißend und noch nie dagewesen", schrieb Guetta auf seiner Twitter-Seite. Er rief seine Fans auf, ruhig den Heimweg anzutreten und sprach den Angehörigen der Opfer sein Mitgefühl aus.
In einem waren sich viele Internetnutzer einig: Die Katastrophe vom Samstag wird womöglich das Ende des einst als Berliner Friedensdemonstration begonnenen Raver-Treffens bedeuten. Ein Hörer von 1Live schrieb: "Meiner Meinung nach war die Love-Parade 2010 die letzte seiner Art, dieses Unglück werden die Fans nie mehr vergessen können."
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