Duisburg: Josef Krings über Andreotti und die Varusschlacht
zuletzt aktualisiert: 11.07.2009Duisburg (RPO). Der 50 000. Besucher wurde am 3. Juli in der Ausstellung zur Varusschlacht im Römermuseum in Haltern am See gezählt. Einer von ihnen war Alt-Oberbürgermeister Josef Krings, der uns aus diesem Anlass eine denkwürdige Begegnung mit Giulio Andreotti schilderte und auf unsere Bitte hin aufschrieb:
Mit den Gedächtnisjahren verhält es sich oft wie mit spiritistischen Sitzungen. Eine Person oder ein Ereignis werden etwas gewaltsam an den Tisch gezogen. So ergeht es in diesem Jahr der Varusschlacht im Teutoburgerwald vor exakt 2000 Jahren. Ich erinnere mich gut an eine Kommentierung dieser Historie durch den italienischen Außenminister Giulio Andreotti. Er besuchte Duisburg zur Eröffnung der Akzente im Jahr 1985. Beim Mittagessen fragte er mich: "Herr Oberbürgermeister, über welches Thema werden Sie in Ihrer Tischrede sprechen?" Ich war etwas überrascht und sagte sinngemäß, wenn denn eine Rede erwartet würde, dann veranlasste mich sein Besuch, über das Thema "Römer und Germanen am Rhein" nachzudenken. Mir ist nicht mehr in Erinnerung, was ich zu diesem Thema damals sagte, aber Andreotti ließ seine vorbereitete Tischrede in der Jackentasche und sprach das beste Feuilleton, das ich zu diesem Thema hörte. Er meinte, dass in den deutschen Schulbüchern die Varusschlacht einen breiten Raum einnimmt. Danach verschwänden die Römer für lange Zeit, in manchen Büchern auch für immer aus den Schulbüchern. Es hätte aber für über 400 Jahre lang ein intensiver wirtschaftlicher und kultureller Austausch stattgefunden. Er erinnerte an die Qualität der Römerstraßen und an die Qualität des Wassers für die Städte. Schulbücher seien oft einseitig auf Kriege fixiert. Die müssen neu geschrieben werden. Ich musste ihm Recht geben. Auch als Geschichtslehrer.
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