Duisburg: Junge Täter unter Beobachtung
VON HILDEGARD CHUDOBBA - zuletzt aktualisiert: 01.08.2008Duisburg (RPO). Das Projekt „JIT“ (Jugendliche Intensivtäter) soll junge Kriminelle auf den rechten Weg bringen. Doch dazu ist mehr Personal nötig, fordert Polizeigewerkschaftschef Rainer Wendt.
Abschreckend
Wird einer aus einer kriminellen Tätergruppe zu einer Strafe verurteilt, und zwar so schnell nach der Tat wie möglich, so wirkt das auf die anderen Bandenmitglieder meist abschreckend.
Gab es 2007 noch 424 so genannte JIT-Vorgänge bei der Polizei, so sind es in diesem Jahr bislang nur 122.
Die Duisburger Polizei zieht eine positive Bilanz des Modells „Jugendliche Intensivtäter“, kurz JIT. Seit mehr als einem Jahr werden diese jungen Kriminellen nachhaltig betreut. Treten sie in Erscheinung, landen sie in einem engen Netz, das Polizei, Jugendamt, Staatsanwaltschaft und Gericht gemeinsam geknüpft haben. Mit vereinen Kräften wird versucht, die Täter wieder auf den rechten Weg zu bringen, oder aber, wenn das nicht funktioniert, sie möglichst schnell mit den Konsequenzen ihres falschen Handelns vertraut zu machen. Wer eine Straftat begangen hat und dafür sehr bald danach ins Gefängnis muss, der kann zwischen Tat und Strafe eher einen Zusammenhang herstellen als derjenige junge Kriminelle, der sich erst viele Monate später zur Verantwortung ziehen muss.
Das Erfolgsmodell lässt sich an den soeben vorgelegten Fallzahlen deutlich machen: 2007 waren 50 junge Täter (darunter drei Mädchen) in dem Programm. Ihr durchschnittliches Alter: 15,5 Jahre. Den Spitzenplatz belegt ein Jugendlicher, der zu diesem Zeitpunkt bereit mit 85 Straftaten „registriert“ war. Zwischen Januar und Juni diesen Jahres wurden 20 Jugendliche in das Programm neu aufgenommen. Ihr Durchschnittsalter: 15 Jahre.
Die Betreuung dieser Kriminellen ist aufwändig. Seit 2007 haben die im Programm arbeitenden Polizeibeamten fast 600 Gespräche mit den Betroffenen und ihren Eltern geführt. Das Jugendamt war in 64 Fällen eingebunden, die Bewährungshilfe in 20. Wurde im ersten JIT-Jahr 2007 nur einem Betroffenen eine günstige Prognose ausgestellt, so gilt das in diesem Jahr bereits für 13 Jugendliche.
Den Zahlen zu entnehmen ist, dass der Anteil der jungen Kriminellen mit Migrationshintergrund mit 60 Prozent erschreckend hoch ist. Für Landes-Polizeigewerkschaftschef Rainer Wendt ist dies ein Hinweis darauf, „dass da irgendetwas nicht stimmt. Ich sehe hier großen Handlungsbedarf.“ Die Statistik belege zudem, „wie personalintensiv JIT ist. Meiner Meinung nach müssen hier viel mehr Beamte eingesetzt werden.“ Wenn der NRW-Innenminister in diesen Tagen „JIT“ vorgestellt hätte, dann habe er damit auf ein seit fast zwei Jahren in Duisburg sehr erfolgreich laufendes Projekt verwiesen, dessen Wiege übrigens bei der Polizei in Mönchengladbach stehe.
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