Duisburg: Kanu-WM der Superlative
zuletzt aktualisiert: 07.08.2007 - 15:56Der Sportpark Wedau präsentiert sich im bunten Bild. Die Fahnen wehen munter im Wind. Kajakfahrer und Canadier-Stecher üben auf spiegelglattem Wasser. Alles ist hergerichtet für die Welt-Titelkämpfe der Rennsportkanuten.
Die auf der Athletenseite der Regattabahn neu angebrachte und mit der Willinger Bobbahn finanziell geteilte Videowand vermittelt beim Testlauf Bilder vom Geschehen, das jetzt noch ohne Brisanz ist. Die 1,66 Millionen teure TV-Strecke entlang der 1000-m-Distanz wird den Fernsehzuschauern gestochen scharfe Bilder vom Kampf der durchs Wasser peitschenden Paddel liefern.
90 Nationen mit 852 Athleten kämpfen ab Donnerstagmorgen in 277 Rennen und 27 Disziplinen um die Medaillen - und um die Startberechtigung bei Olympia 2008 in Peking als hoch attraktive Zugabe an sportlichem Reiz. In allen zwölf olympischen Wettbewerben können Quotenplätze bei der ersten Qualifikation eingefahren werden.
Die normalerweise sehr bescheidenen Veranstalter rund um den Organisations-Chef Otto Schulte schwelgen im Superlativ. „Die größte WM aller Zeiten“, schwärmt der frühere Ruderer, der nach 1979, ’87 und ’95 die dritte Kanu-WM erlebt. Ulrich Feldhoff, Präsident des Internationalen Verbandes (ICF) und einer der mächtigsten deutschen Sportfunktionäre, ergänzt: „Mit weitem Abstand die Rekord-WM, das ist noch nie dagewesen. “
Erheblicher Image-Gewinn
1400 Beteiligte werden sich morgen Abend bei der Eröffnungsfeier hinter der MSV-Arena versammeln. Die Stadt Duisburg, zuletzt vor zwei Jahren Veranstalter der World Games, erhofft sich erneut einen erheblichen Image-Gewinn und ließ sich die Sache 250000 Euro allein an Personaleinsatz kosten. Oberbürgermeister Adolf Sauerland rechnet mit einem ähnlich positiven Schub wie 2005.
Sportlich gesehen, will die Flotte des Deutschen Kanu-Verbandes (DKV) die Ergebnisse im ungarischen Szeged ins Gegenteil verkehren. Bei der vorigen WM hatten die traditionsgemäß bärenstarken Ungarn den Heimvorteil genutzt, diesmal sind Andreas Dittmer und Co. favorisiert, die Spitze der Medaillenwertung zu erklimmen. „Das Heimspiel mit den Fans im Rücken lassen wir uns nicht nehmen“, freut sich der achtfache Canadier-Weltmeister und dreimalige Olympiasieger Dittmer auf die Tage in Wedau. Bundestrainer Reiner Kießler geht davon aus, dass es „sechs, sieben Medaillen in den olympischen Klassen schon sein sollten, am besten garniert mit drei Mal Gold“.
Uli Feldhoff, soeben von den panamerikanischen Spielen aus Rio de Janeiro zurückgekehrt, präsentierte sich gestern wie immer als erbitterter Doping-Gegner - ein Thema dieses Sommers, das auch an Duisburg nicht vorbei gehen dürfte. Der Oberhausener plädierte für drakonische Strafen bis hin zu vier Jahren Wettkampfverbot. Er machte sich für ein kombiniertes System aus unangemeldeten und Zielkontrollen stark.
Und er kündigte für die WM eine Verdoppelung der Kontrollen auf 60 an -„schon im Halbfinale“. Dass er feststellte, die Seuche Doping sei so schnell nicht auszumerzen, machte seine Verbitterung und die selbst erlebte menschliche Enttäuschung nur allzu deutlich. Es gelte, die Situation Schritt für Schritt zu verbessern. Das klang auch ein wenig nach Hilflosigkeit.
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