Duisburg: Kein Geld mehr: Stadt knickt vor Vandalen ein
zuletzt aktualisiert: 06.04.2010 - 17:58Unbekannte haben mit historischen Steinen aus der Stadtmauer die Glasscheiben an den Schaukästen vor und in der „archäologischen Zone” Alter Markt zerstört. Die Stadt gibt auf. Es wird nichts mehr erneuert.
Auf und vor dem Alten Markt, einem der wichtigsten archäologischen Fundstätten in Deutschland, haben Unbekannte schwere Schäden angerichtet. Die Glasscheibe des Schaukastens vor der Ausgrabungsstätte, die Informationsvitrine innerhalb des Ausgrabungsgeländes und die große Scheibe, hinter der ein Schnitt durch den Rheinboden dokumentiert ist, wurden zerschlagen. Offenbar wurden für diese gezielten Zerstörungen Steine aus der historischen Stadtmauer herausgebrochen. Jedenfalls lagen die entsprechenden Ziegel gestern in der Umgebung der zerstörten Stätten auf dem Boden.
Kein Geld in der Kasse
Ein empörter Leser hatte die RP-Redaktion auf die Zerstörungen aufmerksam gemacht. Gestern war man darüber offenbar auch bei der Stadt beziehungsweise der „Unteren Denkmalbehörde, informiert. Dort war die Betroffenheit bei den zuständigen Mitarbeitern besonders groß. Die Stadt, deren miserable Haushaltssituation bekannt ist, möchte für die Beseitigung der Schäden nicht mehr aufkommen. Zumal der der Denkmalbereich „Alter Markt” in den vergangenen Jahren bereits mehrmals Ziel von Zerstörungswütigen geworden ist. Bekannt ist, dass allein im Jahr 2003 die archäologische Zone für rund 40.000 Euro saniert werden musste.
Schäden werden nicht erneuert
Eine Sprecherin der Stadt musste die Auskunft geben, dass nun eine radikale Konsequenz gezogen wird: Die Scheiben der Schaukästen werden nicht mehr erneuert; vielmehr werden die Schaukästen nun abgebaut. Man habe bei der Stadt den Eindruck bekommen, dass über kurz oder lang die Schaukästen-Scheiben immer wieder zerstört würden. Der Alte Markt im Schatten des Rathauses werde nachts nicht bewacht und sei offenbar Treffpunkt zwielichtiger und vor allem aggressiver Gestalten. „Jede Reparatur ist da wie eine Sisyphus-Arbeit”, so die Stadtsprecherin.
Heinz Zander von der Niederrheinischen Gesellschaft für Vor- und Frühgeschichtsforschung, zeigte sich von den Zerstörungen entsetzt. Der eingetragene Verein hatte sich in den vergangenen Jahren intensiv um die Pflege der archäologischen Zone bemüht. Der Verein hatte auch die Beschilderung finanziert, auf der das Gelände als bedeutsames Bodendenkmal gekennzeichnet wurde. Es sei ihm unverständlich, so Zander, dass man so mit der Stadtgeschichte umgeht.
Die Schaukästen seien bei den Stadtführungen, die er seit vielen Jahren selber durchführt, stets aufmerksam gelesen worden. Er sei tief enttäuscht, dass nun solche Konsequenzen gezogen werden. Es sei jedenfalls ein großer Verlust. Die Schautafeln hätten jedermann klar machen können, dass Duisburg eine Ausgrabungsstätte von internationaler Bedeutung besitzt.
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