Duisburg: Kein Platz für die Radikalen
VON HILDEGARD CHUDOBBA - zuletzt aktualisiert: 16.01.2009Duisburg (RPO). In Duisburg wächst vor der für Samstag angekündigten Demonstration die Sorge, dass die Stadt zum Aufmarschplatz radikaler Gruppen werden könnte.
Ramon van der Maat hat es bis in die "Jerusalem Post", die etablierte israelische Tageszeitung, gebracht. Der Pressesprecher der Duisburger Polizei konnte sich in den vergangenen Tagen vor Anfragen von Redakteuren aus dem In- und Ausland nicht retten. Immer wieder musste er erklären, warum es zu der umstrittenen Abnahme der israelsichen Fahnen am vergangenen Samstag kam. Und zeitgleich häuften sich bei ihm die Anfragen danach, was denn wohl am kommenden Samstag in Duisburg zu erwarten ist.
Zwei Demos
Dann wird wie berichtet der Verein "Human Dignity and Rights" (HDR) von Hochfeld aus eine Demonstration auf den Weg in Richtung Innenstadt bringen. Gestern meldete ein bis dato unbekanntes "Bündnis gegen Antisemitismus Uni Duisburg/Essen" eine Protestveranstaltung gegen die Demo der HDG an, der, wie berichtet, unter Beobachtung des Verfassungsschutzes steht und als fundamental-islamistisch gilt. Um 13 Uhr beginnt die Kundgebung des Bündnisses auf dem Dellplatz.
Die Duisburger Polizei wird beide Veranstaltungen begleiten. Wie viele Beamte im Einsatz sein werden, dazu gibt es derzeit noch keine Informationen. Auch über den Weg, die die HDR-Demo ab 14.30 Uhr vom Hochfelder Markt in Richtung Innenstadt, beziehungsweise die vom Dellplatz aus nehmen sollen, wird Stillschweigen bewahrt.
Derweil bemühen sich die demokratischen Kräfte in der Stadt, um Ruhe und Besonnenheit zu bitten. Die "Duisburger Aktionsgemeinschaft für Toleranz und Zivilcourage" forderte, die anstehende Demonstration ausschließlich zur friedlichen, gewaltfreien und demokratischen Meinungsäußerung zu nutzen. Sollten bei der nun anstehenden Demonstration "erneut antijüdische, antisemitische, antidemokratische Äußerungen oder gar Aktivitäten feststellbar sein, so muss die Polizei gegen diese einschreiten", so Jürgen Thiesbonenkamp, Sprecher des Bündnisses.
Städtischen Frieden gestört
"Wir sind es leid, dass Duisburg zum agitativen Tummelplatz und demokratiefeindlichen Aufmarschgebiet von politisch radikalen Gruppen gemacht werden soll, die sich mit den Werten unserer Verfassung offenbar nicht identifizieren und das gute Zusammenleben in unserer Stadt mutwillig gefährden wollen", teilten gestern SPD-OB-Kandidat Jürgen C. Brandt und Parteichef Ralf Jäger mit. Auch weil man sich nicht von Radikalen die Tagesordnung vorschreiben lasse, werden die Deutsch Israelische Gesellschaft (DIG) Duisburg, und die Polizeigewerkschaft DPoLG von ihren zunächst geplanten Aktionen gegen die Anti-Israel-Demonstraton Abstand nehmen.
"Wer gegen den Krieg demonstriert und Frieden will, sollte darauf achten, dass er nicht andere Nationalitäten und Glaubensgemeinschaften verdammt. Das dient dem Frieden sicher nicht", sagte gestern Sevket Avci, Vorsitzender des städtischen Beirates für Zuwanderung. Der gesellschaftliche Frieden der Stadt werde schwer gestört, "wenn Demonstrationen gegen den Krieg zu antisemitischen Kundgebungen ausarten, weil einige Teilnehmer ihre Vorurteile gegen Andersdenkende und Andersgläubige nicht unter Kontrolle halten können."
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