Duisburg: Keine Alternative zu Baerl
VON JOSEF POGORZALEK - zuletzt aktualisiert: 08.12.2007Duisburg (RPO). Die Mingas-Power GmbH stellte ihre Planung für eine Grubengasverwertungsanlage vor. Sie soll voraussichtlich 200 Meter weg von den Wohnhäusern, im Binsheimer Feld stehen, leise und geruchlos sein.
Treibhausgas
Grubengas ist ein Treibhausgas; die Verwertung wird nach dem Gesetz für erneuerbare Energien gefördert. Der in Baerl mit vier Motoren (je 1,4 Megawatt Leistung) gewonnene Strom soll über ein Kabel ca. 3,5 Kilometer bis zum Schacht Rheinpreußen transportiert und dort eingespeist werden. Die Größe der Anlage werde 40 mal 40 Meter betragen. Ein „landschaftspflegerischer Begleitplan“ soll sicherstellen, dass der Eingriff in die Landschaft möglichst verträglich bleibt.
Mit drei Mann rückte die Mingas-Power GmbH gestern in der Bezirksvertretung an, um über die geplante Grubengasverwertungsanlage in Baerl zu berichten. Der Besuch lohnte sich: Nach dem Vortrag schienen die Bezirksvertreter dem Vorhaben etwas offener gegenüber zu stehen als bisher. Das lag unter anderem daran, dass die Anlage wohl doch nicht ganz so nah an den Wohnhäusern stehen soll, wie befürchtet. Der Wunschstandort der Mingas liegt 200 Meter weg von den Häusern, an einem Wirtschaftsweg im Binsheimer Feld. Noch weiter wegrücken, wie von Hermann Grindberg (SPD) vorgeschlagen komme nicht in Frage: Abgesaugt werden soll das Gas nämlich auf einem Grundstück an der Schulstraße, von wo eine Rohrleitung bis zur Verwertungsanlage führen wird. Eine noch längere Rohrleitung wäre wirtschaftlich nicht tragbar, erläuterten die Mingas-Vertreter.
Sie stellten auch dar, warum nur Baerl als Standort in Frage komme. Nach der Schließung des Bergwerks Walsum werde das Wasser unter Tage steigen, so dass ein Absaugen des Grubengases in Walsum selbst nicht mehr möglich wird. Im Binsheimer Feld befinden sich drei höher gelegene Flöze, die erst in fünf bis zehn Jahren „überschwemmt“ werden. Einen dieser Flöze will man anbohren. Auch die Verwertung des Gases vom Schacht Gerdt aus, wo die Mingas-Power bereits eine Anlage betreibt, sei nicht möglich: Das am Schacht Gerdt verwertete Gas stamme nicht aus dem Binsheimer Feld, die Verbindung dorthin sei beim Rückzug des Bergbaus unter Tage unterbrochen worden und nicht wiederherstellbar.
Skeptisch zeigten sich die Politiker bezüglich der Emissionen der Anlage. Dipl.-Ing. Andreas Brandt von der Mingas versicherte, sie werde „ähnlich geruchlos wie gasbetriebene Autos“. Der Lärm werde durch Schallschutzmaßnahmen den Grenzwerten für reine Wohngebiete angepasst. Insbesondere Heinz Lohmann (CDU) bezweifelte, dass das möglich ist. Er habe sich die in Walsum betriebenen Motoren angesehen; sie seien sehr, sehr laut. Eben diese Motoren sollen aber aus Walsum nach Baerl „umziehen“.
Halbes Jahr Bohrzeit
Mit Belästigungen müssen Anwohner wohl während der Bohrphase rechnen, die für das zweite und dritte Quartal 2008 terminiert ist. Gebohrt werde von 7 bis 20 Uhr, allerdings sei der Aushub nur gering, so dass insgesamt nur 20 LKW-Ladungen abtransportiert werden müssen.
Dass die Anlage in einem Landschaftsschutzgebiet stehen soll, scheint kein Problem zu sein. Es handle sich, so die Mingas-Leute, um ein „privilegiertes Vorhaben“, das auch im Landschaftsschutzbereich genehmigungsfähig sei.
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