Duisburg: Kicken der Nationen
VON ANJA STREICHAN - zuletzt aktualisiert: 27.04.2009Duisburg (RPO). Im Sportverein Rhenania Hamborn aus Obermarxloh sind zahlreiche Nationen vertreten. Trainer Selabattin Yilmaz berichtet, dass sich Migranten in Deutschen Vereinen oft nicht gut aufgenommen fühlen.
"Ausländer wollen doch gar nicht in deutsche Sportvereine." Dies ist ein Vorurteil gegenüber Migranten, das man besonders oft in den Fußballvereinen der Stadt hört. Tatsächlich scheinen die Nationen für den Außenstehenden weitgehend getrennt zu bleiben, doch ist dies dem Unwillen der Migranten zuzuschreiben, sich zu integrieren, oder steckt mehr dahinter?
Ausgezeichnet vom DFB
Cafer Caya ist erster Vorsitzender und Trainer des Sportvereins Rhenania Hamborn. Zusammen mit Geschäftsführer Selabattin Yilmaz erlebte er im Jahre 2001 einen grundlegenden Strukturwandel vom reinen Fußballverein zum Breitensportverein. Die beiden Fußballtrainer sind vor allem stolz auf die Integrationsprojekte ihres Vereins. So wurde Rhenania Hamborn Anfang des Jahres mit dem dritten Platz des DFB-Integrationspreises geehrt. Heute hat der Verein 350 Mitglieder, darunter viele Türken, Albaner, Bosnier, Afrikaner aber auch Deutsche.
Selabattin Yilmaz hat vor seiner Zeit bei Rhenania Hamborn einige Erfahrungen in deutschen Vereinen sammeln können. Dort fühlte er seinen Einsatz von Vereinskollegen oft nicht anerkannt: "Deutsche Vereine legen meist keinen Wert auf Integrationsarbeit und so konnte ich viele meiner Ideen nicht verwirklichen. Die Deutschen haben bei der Zusammenarbeit mit Ausländern oft Angst, etwas zu verlieren oder abgeben zu müssen." Dies sei nicht nur im Sport so, sobald manche Menschen mit Migranten konfrontiert werden, herrschten bei ihnen Vorurteile und Ängste vor, sagt der Fußballtrainer.
Trainersprache: Deutsch
So kommt es, dass ein Großteil der Mitglieder des Sportvereins ihre Wurzeln im Ausland haben. In der B-Jugend des Vereins spielen hauptsächlich türkischstämmige Jungen. Nur zwei der Spieler kommen aus deutschen Familien. Trotzdem wird laut Anweisung des Trainers Selabattin Yilmaz während des Trainings Deutsch gesprochen. Die Jugendlichen, wenn auch manchmal unwillig, folgen der Anweisung des Trainers. Seine Autorität wird nicht in Frage gestellt.
Vorstandvorsitzender Cafer Kaya sieht im Fußballtraining eine möglichkeit, um die Jungen von der Straße zu holen. "Wir versuchen sie so lange wie möglich beim Training zu halten und wollen ihnen beibringen, beispielsweise durch Gruppenhelferausbildungen, Verantwortung zu übernehmen." Dies könne auch bei Problemen in Schule und Ausbildung helfen. Rhenania Hamborn sei zudem ein Verein, in dem weder religiöse noch politische Meinungen eine Rolle spielten.
"Für mich ist Integration nicht unbedingt die Anpassung an die deutsche Gesellschaft, sondern vielmehr das Bemühen, Menschen dahin zu bringen, dass sie sich in sozial-politischen Bereichen engagieren und ihr Mitspracherecht einfordern", lautet das Motto des Vereinschefs.
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